Jahrgang 
94 (1991) / N.S. 45
Seite
67
Einzelbild herunterladen
 

Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band XLV/ 94, Wien 1991, 67- 86

Literatur der Volkskunde

Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich( WBO). Herausge-geben von der Kommission für Mundartkunde und Namenforschung derÖsterreichischen Akademie der Wissenschaften, 28. Lieferung( 6. Liefe-rung des 4. Bandes). Wien, Verlag der Österreichischen Akademie derWissenschaften, 1990, Spalten 961- 1152( tattern- Taunel).

Die gegen Ende 1990 herausgekommene neue Lieferung des WBÖunter der Leitung von Werner Bauer, Ingo Reiffenstein und Peter Wie-singer weist wieder die bewährten Mitarbeiter Ingeborg Geyer, ElisabethGroschopf, Erika Kühn und Wilfried Schabus als Verfasser der einzelnenWortartikel aus. Wer es versteht, Wörterbücher mit sprachwissenschaft-lichem Apparat zu benutzen und wer diese also lesen kann, wird auchdiese neue Lieferung wieder gerade als Volkskundler mit Nutzen undgroßen Gewinn durchsehen.

Da sind zunächst etliche Lemmata und große Stichwortartikel, derenGehalt nicht zuletzt auch neben den wichtigen sprachlichen Abklärungenumfassende Sachinformationen bieten: so etwa Tau mit vielerlei Redens-arten und Verbindungen zum Heilglauben( Sp. 991- 993), Taube mitseinen 11 Bedeutungen und Hinweisen auf den entsprechenden Volksglau-ben( Sp. 1002- 1013) und der große Artikel Taufe bzw. taufen, deru.v.a. in einem eigenen Exkurs zu Sache und Brauch( Sp. 1056- 1069) inengem Kleindruck eigens die Elemente dieses großen Brauchkomplexesbehandelt( Taufzeit, Patenschaft, Tauftermin, Namenwahl, Taufkleidung,Taufgeschenke, Taufgang, Taufzeremonie, Taufzeugen, Taufkerze, Verhal-ten des Täuflings, der Mutter daheim sowie das Taufmahl, den Heimwegvon der Taufe und das Verhalten nach der Taufe) mit zahlreichen Belegenaus ganz Österreich( mit Südtirol). Was Taufe und taufen sonst nochbedeuten kann, zeigen die Abschnitte 2 bis 4 und die zahlreichen Kompositadieses Wortes. Von ähnlichem Gewicht erscheint mir der Artikel Daumen"( Sp. 1119 1128) mit seinen vielen Redensarten und den eigenartigenBeziehungen einerseits zum Rechtsbrauch, wobei hier deutlichere Beispielefür das Binden von Rechtsbrechern mit einem Strohhalm an den Daumen( hinter dem Rücken) gegeben werden als sonst( Sp. 1121); volkskundlichbesonders vermerkenswert ist aber auch die starke Verknüpfung des Dau-mens mit dem( Münz) Geldgebrauch besonders in vielen Redensarten( auchmetonymisch), womit nicht zuletzt auch gewisse populäre Gebärden undSprachbilder zusammenhängen.