Jahrgang 
94 (1991) / N.S. 45
Seite
62
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band XLV/ 94, Wien 1991, 62- 66

Chronik der Volkskunde

Die Volkskultur Europas in den Landkarten

Anläßlich der Herausgabe des Ethnographischen Atlasses der Slowakeiveranstaltete das Institut für Volkskunde der Slowakischen Akademie derWissenschaften eine internationale Konferenz Ethnographische Atlantenals Ausgangspunkt des vergleichenden Studiums der Volkskultur in Euro-pa", die vom 5. bis 9. 11. 1990 in Stará Lasná in der Hohen Tatra stattfand.Außer den Mitarbeitern aus der Slowakei, die direkt an den Vorbereitungendes Ethnographischen Atlasses der Slowakei beteiligt waren, nahmen an derKonferenz auch Wissenschaftler aus Böhmen, Mähren und aus neun euro-päischen Ländern teil.

Den fachlichen Kern der Konferenz bildeten 14 Referate, die sich nichtnur die regionalen Aspekte der slowakischen Volkskultur zu erfassen be-mühten, sondern auch auf die mitteleuropäischen Zusammenhänge derdargestellten kulturellen Phänomene hinwiesen. So war auch die Mehrheitder Beiträge der ausländischen Gäste konzipiert, in die auch das Informa-tionspotential des Ethnographischen Atlasses der Slowakei eingebrachtwerden konnte. Diese Möglichkeit hätte noch mehr genutzt werden können,wenn es gelungen wäre, fremdsprachige( deutsche und englische) Beilagendes Ethnographischen Atlasses der Slowakei herauszugeben. Diese hättenihn für die Arbeiten ähnlichen Inhalts in ganz Europa noch brauchbarergemacht. Den Verfassern des Atlasses, die die fremdsprachigen Beilagenschon vorbereitet haben, bleibt zu hoffen, daß im Jahre 1991 die nötigenfinanziellen Mitteln zu ihrer Herausgabe gefunden werden.

Die vorgetragenen Referate und die nachfolgende Diskussion zeigten,daß die Verhältnisse im gegenwärtigen Europa und die neue Philosophie derBeziehungen zwischen den Nationen die ethnographische Wissenschaft vorvollständig neue Aufgaben stellen. Wenn wir in der Vergangenheit unsbemühten, mehr auf das hinzuweisen, was in unseren Kulturen eigenständig,ethnospezifisch war, ist es heute nötig zu akzentuieren, was gemeinsam ist,d.h. europäisch, damit wir im gemeinsamen Bestreben das Bild unseresKontinents als Zivilisationsganzes zeichnen können. Ich meine, daß beidiesen Bestrebungen die ethnographische Methode eine einzigartige Rollezu spielen hat.

Im Resümee der Konferenz einigten sich die Teilnehmer, daß es nötigwäre, die Arbeiten an den Nationalatlanten der Volkskultur in den Ländernfortzusetzen, wo sie nicht beendet sind( in der ČSFR Atlas von Böhmen,