Jahrgang 
94 (1991) / N.S. 45
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Bernhard Tschofen

ÖZV XLV/ 94

und größeren Orten Vorarlbergs beim weiblichen Geschlechte ganzverschwunden und durch die sogenannte französische Tracht ersetztsein." 23

Selbst Aktionär früher Spinnerei- und Webereifabriken, bemühtesich Ebner, Vorarlberger Betriebe auf dem Modemarkt wettbewerbs-fähig zu halten, 24 beklagte aber ein im weitesten Sinne modischesVerhalten der Bevölkerung. Die Bregenzerwälder Saisonarbeiter et-wa benahmen sich früher in der Regel sehr brav und brachten schöneErsparnisse nach Hause... Statt des vielen Geldes bringen jetzt diejungen Burschen schöne Kleider und große Arroganz aus der Fremdezurück 25 Das Alte wird bei Ebner und vergleichbaren Kritikernzum Garanten alter Ordnungen, während neue Kleidung als Etikettneuer, bedrohlicher Sitten und Gesinnungen gilt.26

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1842 ist die Kleidung im Landgericht Bregenz sehr verschiedenund gemischt, hat wenig Übereinstimmendes und Nationelles in Farbeund Schnitt und nähert sich immer mehr dem neuen Geschmacke. Diemännliche Kleidung besteht meistens aus dunklen Wolltüchern, dieweibliche aus vielfärbigen Baumwollstoffen. Auffallend ist für Frem-de die weibliche Kopfbedeckung der Bauerntracht, die aus einerpfauenschweifförmigen, nur den hintern Teil des Kopfes bedecken-den Bortenhaube besteht. Bürgerliche Mädchen und Frauen pflegensolche Hauben dieser Form, jedoch aus Silber- oder Goldbortenverfertigt, an Feiertagen beim Kirchenbesuch zu tragen." 27 Währendder Kreishauptmann 1842 in den Landgemeinden um Bregenz wenigMalerisches entdecken konnte, war für ihn im Montafon die Trach-tenwelt noch in Ordnung. Die Talbewohner haben die Kleidertrachtihrer Väter beibehalten, nach der sich die Männer mit blaugefärbten,dicken Tüchern aus eigener Schafwolle, die Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber aber mit rotenStrümpfen, schwarzen Röcken, kurzen Miedern und seidenen Brust-

23 Vgl. Meinrad Tiefenthaler( Hg.): Die Berichte des Kreishauptmannes Ebner. EinZeitbild Vorarlbergs aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts(= Schriften zurVorarlberger Landeskunde, 2). Dornbirn 1950, S. 156.

24 Ebd., S. 190f.

25 Ebd., S. 199.

26 Reinhard Johler: Fröndä Höttlar und Fründlarhäß. Zur Wahrnehmung desFremden am Beispiel der Kleidung. In: Wolfgang Brückner( Hg.): Bekleidungs-geschichte und Museum. Symposion in Schloß Hofen. Bregenz 1988, S. 239-247, v.a. S. 242- 245.

27 Tiefenthaler,( wie Anm. 23), S. 254.