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Bernhard Tschofen
ÖZV XLV/ 94
In diesem Sinne soll ein Beitrag zur, Tracht im Kopf' auch ein StückKlarstellung, ein Stück Revision sein. Die vielen offenen Fragen, diedabei aufgeworfen werden, zeigen, daß dadurch traditionell trachten-historische Arbeiten alles andere denn überflüssig gemacht werden.Es bleibt vorläufig aber späteren Studien überlassen, wichtige Fragendes historischen Trachtenbestandes zu beantworten und kostümge-schichtliche Details in Wechselwirkung zu den ideengeschichtlichenGrundlagen zu stellen. Auch den gegenwärtigen Bedeutungen desTrachtentragens für die organisierten und unorganisierten Trägerin-nen und Träger wäre im einzelnen nachzugehen. Eine solche Innen-sicht des Themenkomplexes wird auf Dauer genauso unerläßlich sein,wie die hier versuchte und bewußt distanziert gehaltene Außensicht,die sich der, Tracht im Kopf' über schriftliche und bildliche Manife-stationen der älteren und jüngeren Vergangenheit zu nähern sucht.Andere Zugänge haben freilich wenig Berechtigung, solange Fragennach den emblematischen und ideologischen Funktionen der regiona-len Trachten nicht zumindest skizziert sind:„ Nur wo der Schutt derGeschichte beiseitegeräumt ist, entsteht Platz für neue Wege“.6
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Wenn einleitend stets von„ Trachten" die Rede war, so ist hier eineBegriffsklärung unumgänglich. Auch die Terminologie ist Teil undResultat jener Geschichte die es zu erzählen gilt. Heute bezeichnetTracht gelegentlich mit dem Attribut, Volks' versehen- im öffent-lichen Sprachgebrauch ein angebliches Traditionsgewand bäuerli-chen Ursprungs, das vor allem im Gegensatz zur Mode, zur modi-schen Kleidung steht. Erst jüngere Forschungen haben dieses konstru-ierte Gegensatzpaar aufbrechen können."
Noch Friedrich Hottenroth behandelte in seinem 1896 erschiene-nen, Handbuch der deutschen Tracht' das gesamte Bekleidungswe-sen, wenngleich er inhaltlich bereits eine Trennung in städtische undVolkstrachten vornahm. Vergleichbar konstatierten Albert Kretsch-mer und Karl Rohrbach in ihren, Trachten der Völker':„ ,, Alles fliesst
6 Helge Gerndt: Zur Frühgeschichte der Sagenforschung. In: Ders., Klaus Roth,Georg R. Schroubek( Hg.): Dona Ethnologica Monacensia. Leopold Kretzenba-cher zum 70. Geburtstag(= Münchner Beiträge zur Volkskunde, 1). München1983, S. 251 266, s. S. 265.
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7 Stellvertretend: Wolfgang Brückner: Mode und Tracht. Ein Versuch. In: KlausBeitl, Olaf Bockhorn( Hg.): Kleidung- Mode- Tracht. Referate der Österreichi-schen Volkskundetagung 1986 in Lienz(= Buchreihe der Österreichischen Zeit-schrift für Volkskunde, NF 7). Wien 1987, S. 15- 43.
8 Friedrich Hottenroth: Handbuch der deutschen Tracht. Stuttgart 1896.