1991, Heft 1
„ Trotz aller Ungunst der Zeit"
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wie zu zeigen sein wird- die erste und die zweite Geschichte derTracht im gesamten Untersuchungszeitraum auf das Engste miteinan-der verknüpft sind, weil am Ende die Trachtenpräsenz der erstenGeschichte ohne die Emblemfunktion der zweiten nicht vorstellbar
ist.
Daß gerade diese Fragen interessieren, liegt nicht zuletzt an einemzumindest regionalen Forschungsdefizit.³ Im UntersuchungsraumVorarlberg, wo selbst das Miteinander von Trachtenforschung und-praxis bisher unreflektiert geblieben ist, wurden sie nie auch nuransatzweise gestellt. Populäre Arbeiten sind vom Nachwirken über-kommener Forschungstraditionen gezeichnet; sie scheinen zur Zeitweitgehend das Trachtenbild der Vorarlberger Öffentlichkeit zu be-stimmen. Um dies festzustellen, genügt ein Blick in die Tageszeitun-gen: Vom„ Ehrenkleid der Heimat" ist hier die Rede, und immer klingtin Text und Bild jene Traditionsbesessenheit durch, wie sie lange Zeitvon der wissenschaftlichen Volkskunde gespeist wurde. Vertreter desFaches selbst sorgen hierzulande dafür, daß Trachten als probatesMittel gegen„ Vermassung, Modernismus und Internationalität“ inErinnerung bleiben.5
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3 Allgemein dazu v.a.: Gitta Böth:„ Selbst gesponnen, selbst gemacht..." Wer hat sichdas nur ausgedacht? Trachtenforschung gestern- Kleidungsforschung heute. Clop-penburg 1986; Hermann Bausinger: Identität. In: Ders., Utz Jeggle, Gottfried Korff,Martin Scharfe: Grundzüge der Volkskunde. Darmstadt 1978, S. 204- 263, v.a.S. 220-242.- Regionalstudien z.B. bei: Wolfgang Brückner( Hg.): FränkischesVolksleben im 19. Jahrhundert. Wunschbilder und Wirklichkeit. Möbel- Keramik-Textil in Unterfranken 1814 bis 1914. Würzburg 1985; Ulrike Höflein: Vom Umgangmit ländlicher Tracht. Aspekte bürgerlich motivierter Trachtenbegeisterung in Badenvom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart(= Artes populares, 15). Frankfurt a.M. 1988;Heinz Schmitt: Volkstracht in Baden. Ihre Rolle in Kunst, Staat, Wirtschaft undGesellschaft seit zwei Jahrhunderten. Karlsruhe 1988.- Weitere Literatur bei: Chri-stine Burckhardt- Seebass: Tracht im Spiegel. Schweizerische Materialien zur Ge-schichte einer Idee. Unveröffentl. Habil.- Schr. Basel 1987( Ich bedanke mich bei FrauProf. Burckhardt- Seebass für die freundliche Zurverfügungstellung ihrer Arbeit ganzherzlich). Als Beispiel für das Niveau regionaler Trachtenforschung in Vorarlbergs. Elisabeth Längle: Tracht in Vorarlberg. In: Franz C. Lipp u.a.( Hg.): Tracht inÖsterreich. Wien 1984, S. 71- 81. Dort auch die weitere Literatur.
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4 Z.B.: Blumenegger Trachtengruppe nicht wegzudenken. Die Jugend verwendetBlumenegger Tracht heute als Festtagskleid für besondere Anlässe. In: Vorarl-berger Nachrichten 2./3. Juni 1990.
5 Karl Ilg: Fachliche Überlegungen zur Vorarlberger Trachtenschau. Rückbesin-nung auf unsere Tracht ist ein erfreulicher Aspekt. In: Vorarlberger Nachrichten29. November 1986.