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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLVI/ 95
Viktor Herbert PÖTTLER, Der„ Hanslerhof“ aus Alpbach im Österrei-chischen Freilichtmuseum in Stübing Sebastian HÖLZL, Die Hofge-schichte( Schriften und Führer des Österreichischen Freilichtmuseums Stü-bing bei Graz, Nr. 15). Stübing: Hg. im Selbstverlag des ÖsterreichischenFreilichtmuseums 1992, 60 Seiten, 8 Abb., 10 Planzeichnungen.
Mit der vorliegenden Schrift legt der Gründer, Erbauer und langjährigeDirektor des Österreichischen Freilichtmuseums eine weitere Folge seinerbewährten Untersuchungen zur Dokumentation seiner Museumsbauten vor, zuder er dankenswerterweise auch den Innsbrucker Archivar Sebastian Hölzl fürdie ,, Hof- und Familiengeschichte der Hansler( Hausler)" in Alpbach gewinnenkonnte. Der„ Hanslerhof“ samt seinen Zugebäuden stellt ja für den Besucherdes Museums nach seiner Anlage wie nach seiner baulichen Gesamterschei-nung zweifellos einen der Erlebnishöhepunkte dar. Umso erfreulicher also, daßdamit nunmehr dessen volkskundliche und baugeschichtliche Würdigung undBeschreibung sowie dessen vielhundertjährige Besitzgeschichte in einermein sorgfältigen und eingehenden Darstellung zur Verfügung stehen.
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Wie schon in seinen bisherigen Dokumentationsschriften zu einzelnenObjekten des Museums wird auch hier die unmittelbare und enge persönli-che Verbindung Pöttlers mit seinen Museumsbauten spürbar. Ihr kommt imbesonderen zustatten, daß V. H. Pöttler bereits während seiner„, Wanderjah-re" als Hausforscher in Tirol das Alpbachtal im Jahre 1951 hausbaukundlichund sozusagen flächendeckend erarbeiten hatte können, so daß er nunmehran der Hand seines Museumsobjektes als Beispiel zugleich eine sehr einge-hende volkskundliche Darstellung dieser besonderen Hauslandschaft desTiroler Unterlandes zu geben vermag. Er schildert dabei in einer gründlichenBauanalyse nicht nur Aufbau, Konstruktion und Gefüge des Gebäudes unddessen einzelne Räume nach ihrer Anlage, Funktion und Einrichtung, son-dern zeigt zugleich die vielfältigen Seiten des damit zusammenhängendenHaus- und Wirtschaftslebens mit vielerlei Besonderheiten und örtlich- regio-nalen Eigentümlichkeiten dieser Hauslandschaft Tirols.
Es geht also hier nicht nur um die Entdeckung und die besonderenUmstände der Erwerbung dieses Museumsobjektes, um seine ursprünglicheSituation und Stellung innerhalb hunderter untersuchter Bauernhäuser undderen Altersstruktur, sondern um die Besonderheiten der Alpbacher Häuserüberhaupt. So werden deren Figurenschrot, das eigenartige„ Hauswaschen“geschildert; deren zweierlei Anlagen als„ Mittel( längs) flurhaus“ und„ Berg-haus", die Besonderheit des sogenannten„ Vorhofs", der„ Stube“ der undaltertümlichen„ Rauchküche“ mit Feuerherd und von außen zugänglichen„ Hennensteige“, die Rauchentsorgung und die besondere Fensteranord-nung, mit der sich Pöttler besonders eingehend befaßt. Ebenso bespricht ernäher die Technik des Legschindeldaches und werden die Wirtschaftsräumedes Hauses behandelt.