Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
Seite
556
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVI/ 95

Dieser Band nun konzentriert sich auf serbische Texte und wählt dieEinteilung: Zauber- und Novellenmärchen, Tiermärchen und Fabeln, Sagenund Legenden, Schwänke und lustige Streiche.

Die gut ausgewählten Texte, die auch sehr realistisch übertragen sind,ergeben ein farbiges Bild serbischer Erzähltradition. Man erkennt die viel-seitigen Einflüsse( bis zurück zur griechischen Antike) und ebenso dielokale Ausprägung der Motive. Die Kontamination mit mehr oder wenigerbekannten Stoffen ist geradezu verwirrend. Auch die Bilder der Figuren undRequisiten verweisen auf weite Bezüge und eine offene Behandlung vonWandermotiven. Das gilt nicht nur für die Geschichte vom Todesengel,wobei auf die Studie von Leopold Kretzenbacher Die Legende vom mit-leidigen Todesengel( in: Beiträge zur Südosteuropa- Forschung, München1966, S. 197) hinzuweisen wäre, sondern auch für viele andere Motive, dievor allem im orthodoxen Raum beliebt sind.

Eschker hat seinem Band ein gediegenes Nachwort beigegeben, dasgenau die Geschichte der Sammlung von Volkserzähltexten im serbischenRaum anführt und in die historischen Verhältnisse einführt, und ebenso dieProblematik des Aufzeichnens und der Reproduktion solcher Geschichtenaufzeigt. Wertvoll ist vor allem auch, daß der Autor Beispiele für das Vergessenund auch das Sich- wieder- Besinnen bestimmter Erzähler wiedergibt.

Ich möchte Eschker auch zu seiner Beobachtung gegenüber von Ton-bandaufnahmen zustimmen, daß mancher Erzähler eine Anlaufszeit be-nötigt und die Geschichten oft am Anfang recht holprig klingen. Überhauptsind die Passagen über die praktische Seite volkstümlichen Erzählensrichtig und wichtig. Die Geräusche oder Geräusch- Nachahmungen( bellen,miauen etc.) spielen gerade hinsichtlich der Faszination bei den Zuhörerneine große Rolle.

Auch dieser Band bietet mit 27 Seiten Anmerkungen über den Lesegenuẞhinaus eine fundierte Grundlage für den, der sich mit der Materie genauerbeschäftigen will.

Die Bibliographie enthält alles bedeutende Schrifttum, ließe sich abernoch in einzelnen Punkten erweitern.

Felix Karlinger

C. DETLEF, G. MÜLLER, Märchen aus Äthiopien.( Märchen der Welt-literatur) Eugen Diederichs Verlag. München 1992, 328 Seiten.

Ein Band mit Märchen oder besser gesagt Volkserzählungen aus Äthio-pien war bereits vor 20 Jahren in Vorbereitung, doch ist er durch den Toddes damaligen Herausgebers nicht mehr zustande gekommen. Nun liegt voneinem für Ägypten und Äthiopien sehr gut ausgewiesenen Autor ein in Inhalt