Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
Seite
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1992, Heft 4

Literatur der Volkskunde

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diesem Band weniger berücksichtigten Legenden) vielfach fließend ist. AlleTexte sind ausgezeichnet übertragen und wahren die Lebendigkeit derOriginalfassung.

Manche Geschichten kennen wir aus Versionen anderer Landschaften,doch dürfen einige auch typisch für den Dolomitenbereich gelten, wie etwadie von den blauen Steinen( S. 196). Je sagenhafter die Texte, desto stärkerscheint auch die Ortsbezogenheit auszufallen. In bestimmten Bezeichnun-gen aber liegen latent Beziehungen zu Wesen anderer Regionen vor, wie beiden Fanes", die in manchen Zügen an die sardischen Janas, aber auch anrumänische zîne erinnern, wobei zu bemerken ist, daß dieser Typus einmalauf dem ganzen Balkan verbreitet gewesen ist.

Die Nähe zu Tiroler und oberitalienischen Geschichten ist erklärlich,doch zeigt sich gerade da auch die Eigenwilligkeit ladinischer Vorstellungenund erzählerischer Darstellungen. Ein verwandter Sinnzusammenhang kanneine andere Deutung finden.

Das Nachwort( 18 Seiten) ist inhaltlich wichtig und aufschlußreich. ZweiSätze verdienen daraus besonders festgehalten zu werden: Ladinien erzähltkeine, Märchen ein entsprechendes Wort gibt es im Ladinischen nicht, undebensowenig kennt man eine dem deutschen Sprachraum vergleichbareMärchentradition.( S. 289) Glückliches Ladinien möchte man dazu sa-gen. ,,, Märchen' aus den Dolomiten sind also vorwiegend ladinische, con-tie, d.h. Geschichten und Erzählungen, die mal von deutsch-, mal vonitalienisch- und schließlich auch von ladinischsprachigen Sammlern aufge-zeichnet wurden, mal mit literarischer Intention, mal aus volkskundlichemInteresse und schließlich auch einfach aus Freude an der schönen Geschich-te.( S. 295)

Beigegeben sind dem Band zwei Texte in der originalen Mundart, Ausspra-cheregeln für ladinische Wörter und Namen, eine doppelseitige Karte, Anmer-kungen im Umfang von 38 Seiten, sowie ein exaktes Literaturverzeichnis.Insgesamt bedeutet der Band eine erfreuliche Bereicherung.

Felix Karlinger

Wolfgang ESCHKER, Serbische Märchen.( Märchen der Weltliteratur)Eugen Diederichs Verlag. München 1992, 364 Seiten.

Der Band von Joseph Schütz Volksmärchen aus Jugoslawien liegt nunschon 32 Jahre zurück; für den kroatischen Raum war er inzwischen durchMaja Bosković- Stulli Kroatische Volksmärchen ersetzt. Eschker selbsthat für die MdW die Mazedonischen Volksmärchen" geliefert und auch einBuch ,, Der Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag  Zigeuner im Paradies- Balkanschwänke vorgelegt. Seine Sach-kenntnis ist nicht zu bezweifeln.