Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVI/ 95

sion, wie sie u.a. von H. Moser, H. Gerndt, G. Wiegelmann und K. Köstlingeführt wurde( Jahrbuch für Volkskunde 1978, 1979 und 1984), gerecht, wennman Riehls Apologie des Bauernstandes als einer unüberwindlichen konser-vativen Macht der deutschen Nation im Sinne einer Verteidigung der Land-wirtschaft( als) allein aus Gründen der Erhaltung ökologischer Regelkreisestrategische( n) Kern jeglicher Regenerationsabsicht( S. 26) interpretiert? Istes gut getroffen, wenn man bestimmte ideengeschichtlich virulente Richtungen,die- wie z. B. die Heimatschutzbewegung- die Institutionalisierung der Volks-kunde flankiert und das Fach zum Teil bis in unsere Tage herauf ideologischmitgeprägt haben, ausschließlich unter dem Aspekt ihres ökologischen Pro-gramms versteht? Und geht es an, den Verein Südmark", der, wie andere inder von Nationalitätenkonflikten gezeichneten Habsburgermonarchie gegrün-deten deutschen Schutzvereine spätestens ab Mitte der zwanziger Jahre als einerder Wegbereiter des Nationalsozialismus gewertet werden muß, als national-demokratischen( S. 36) Abstinentenbund mit volksbildnerischen und denk-malpflegerischen Ambitionen zu verharmlosen?

In summa: Die im vorliegenden Werk behandelten Phänomene sind fürunsere Fach zweifellos von großer Bedeutung; dies nicht nur unter histori-schem Gesichtspunkt. Ihre frühe Wirkung auf die sich konstituierendeWissenschaft Volkskunde gründlich zu untersuchen, ist Aufgabe aucheiner programmatischen Selbstbesinnung der Disziplin. Diese nötige Auf-arbeitung bleibt allerdings auch nach Erscheinen des hier angezeigten Ban-des weiterhin Desiderat.

Herbert Nikitsch

Ulrike KINDL, Märchen aus den Dolomiten.( Märchen der Weltliteratur)Eugen Diederichs Verlag. München 1992, 348 Seiten.

Nach den Rätoromanischen Märchen von Leza Uffer, die fast 20Jahre zurückliegen, waren die ladinischen Märchen ein ausgesprochenesDesiderat. Nun liegt ein opulenter Band vor, der mit seinem Titel ver-mutlich ein größeres Interesse ansteuern wollte, als man sonst mit derBezeichnung des gesprochenen Idioms jenes Raumes voraussetzen darf.Diese Ausgabe erweist die Autorin als eine beschlagene Kennerin dergesammelten Materialien und ebenso als eine Spezialistin im Bereich dermündlichen Überlieferung und ihrer literarischen Schätze.

Die Einteilung folgt sinnvoll dem gewohnten Schema: Kinder- undHausmärchen, Ätiologische Märchen und Erzählungen, Erzählungen vonGeistern und Wilden Leuten Glossar ::: zum Glossareintrag  Leuten, Erzählungen vom Rosengarten, Erzählungenvom Reich der Fanes. Es ist gut, daß der Begriff Märchen nicht zu engaufgefaßt wird, zumal der Übergang zu den Sagen( und oft auch zu den in