1992, Heft 4
Literatur der Volkskunde
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Für Länder wie etwa Kärnten fehlen bis heute abschließende Darstellun-gen zur historischen und zur erneuerten Tracht, deren Geltung und Existenzgerade im Sinne des Selbstverständnisses dieses Landes auch innerhalbeiner allgemeineren Geschichte des Kleiderwesens hier niemand ernsthaftwird bestreiten können. In seinen hübschen Sammelbänden hat nun FranzKoschier, dessen jahrzehntelange Arbeit zur Kärntner Trachtenforschungund-pflege allgemein bekannt ist und heute bereits zu einem entscheidendenFaktum in der regionalen Entwicklung namentlich der erneuerten Trachtengehört, seine vielen Beiträge seit 1957 zu diesem umfassenden Themazusammengefaßt, wobei er im ersten Band das herkömmliche Trachtengutdes Gail-, Rosen- und Lavanttales behandelt und er auch die mundartlichenslowenischen Überlieferungen weitgehend mit einbezieht(„ Le kaj si miprinesel?" Was hast du mir mitgebracht?). Sowohl sprachlich wie auch mitallen greifbaren historischen Bilddarstellungen seit dem Ende des 18. Jahr-hunderts werden damit die Trachten der drei genannten Täler dargestellt underläutert, und zwar nach Aufsätzen, die erstmals in der Carinthia I und inden Kärntner Museumsschriften veröffentlicht worden sind, wie die beige-gebenen Quellennachweise zeigen. Der zweite, großformatige Band enthältdagegen 16 jüngere Beiträge aus der Zeitschrift„ Die Kärntner Landsmann-schaft" und aus Veröffentlichungen des Heimatwerkes„ Volkskunst heute“.Koschier behandelt hier sowohl Einzelteile der Tracht wie Bodenhaube undBänderhut wie auch zusammenfassende Übersichten der Frauen- und Lan-destracht überhaupt. Jeder an der Kleiderforschung Interessierte wird fürdiese Zusammenbindung einer großen Zahl von Einzelbeiträgen über dasbisherige und das erneuerte Trachtenwesen Kärntens dankbar sein, dasbisher und allgemein nicht immer leicht erreichbar und zugänglich war.Zugleich aber dokumentiert sich damit für das Bundesland Kärnten nichtnur die Fülle geleisteter Forschungsarbeit, sondern auch deren tatsächlichesmarkantes Profil.
Oskar Moser
Reinhard FARKAS, Grüne Wurzeln. Ökologische& spirituelle Reformin der Steiermark. Mit Beiträgen von Charlotte Anderle, Ingrid Habersack,Doris Pesendorfer und Harald Vetter. Fohnsdorf, Verlag Podmenik, 1992,335 Seiten, Abb.
Als eine„ interdisziplinär angelegte Kulturgeschichte der regenerativen,auf Versöhnung von Menschheit und Natur zielenden Strömungen des 19.und 20. Jahrhunderts" möchte R. Farkas sein Buch einleitend verstandenwissen. Am regionalen Beispiel der Steiermark soll die„ alle Lebensbereicheeinschließende Abwehr gegen zerstörerische Einwirkungen der Industriali-