Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVI/ 95

die Niederlage des Gegners steht. So etwa im alten Zürichkrieg, als 1443die Eidgenossen den Galgen der Stadt Zürich einnahmen, oder 1448 imKrieg zwischen Bern und Freiburg, als Bern und seine Verbündeten denFreiburger Galgen zerstörten. Bischofberger kann insgesamt sechs solcheEpisoden aus der Schweizer Geschichte nachweisen.

Mehr der Rechtssymbolforschung zugewandt ist der Beitrag von AndreasGestrich und August Nitschke Der Herrscher im europäischen und osmani-schen Zeremoniell( S. 179- 206). Sie gehen davon aus, daß sich aus demZeremoniell und seinen Veränderungen Wechselwirkungen zwischen Herr-scher und Untertanen herauslesen lassen. Da schriftliche Quellen weitgehendfehlen, werden Bilder herangezogen, um mit Hilfe der Methode der verglei-chenden Verhaltenshistorie konkrete Aussagen machen zu können. Indes wirdman bei den Bildquellen die Frage stellen müssen, inwieweit der Künstler nichteinen idealisierenden oder gar verlangten Bildinhalt gestaltet hat, ob er alsotatsächliche Vorgänge richtig wiedergibt. Da sind die Insignien des LandesObwalden, die Angelo Garovi in ihren historischen Kontext einordnet, schonkonkreter( S. 53- 65): Landessiegel, Amtsschwert, Landeshelmi( Schlacht-horn) und das von Papst Julius II. nach der Schlacht von Pavia verlieheneJuliusbanner, welches bis 1925 mit zur Landsgemeinde getragen wurde.

Im Jahre 1978 erschien der erste Band der Forschungen mit einemSystematisierungsversuch der Rechtsarchäologie durch Witold Maisel. Seit-her ist es dem Herausgeber Luis Carlen immer wieder gelungen, bedeutendeForscherpersönlichkeiten aus ganz Europa für diese Schriftenreihe zu ge-winnen. Wer weiß, wie schwierig es geworden ist, ein solches Unterfangenzu gewährleisten, wird ihm hierfür umso mehr danken müssen. Wir wün-schen noch viele Folgebände dieses wahrhaft europäischen Forums für dieRechtsarchäologie und die rechtliche Volkskunde.

Herbert Schempf

Franz KOSCHIER, Trachtenbeiträge: Gailtal, Rosental, Lavanttal. Kla-genfurt: Kärntner Heimatwerk, 1992, 63 Seiten mit zahlr. Abb.

Franz KOSCHIER, Beiträge zur Kärntner Volkstracht. Klagenfurt:Kärntner Heimatwerk, 1992, 75 Seiten, zahlr. Abb.

Seit längerem ist die Kleider- und die Trachtenforschung in mehrfacherHinsicht in Bewegung gekommen. Das dazu erscheinende Fachschrifttumwird dadurch nicht gerade leicht und vollständig überschaubar, zumal dasmeiste in Zeitschriften und kleinen Beiträgen erscheint, mag es nun demTrachtenwesen und seiner Pflege im besonderen gelten oder neuen Perspek-tiven zur Bekleidung der vielen als deren vordergründigster Indikator dieWege zeigen.