Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVI/ 95

das Interesse nun der Medikalisierung, den Geschlechterbildern, den Spei-setabus oder der Nahrungsinnovation gilt, auf die entsprechende Quellen-kritik nicht vergessen werden, weil ein Kompendium von solcher Vielfaltdie Frage nach vergleichbaren Quellen, nach regionalen Spezifika oderzeitgenössischen Topoi gerne überflüssig erscheinen läßt. Man hätte sichdeshalb gerade für den Gebrauch des Laien gewünscht, daß die an sichdankenswerte Neuauflage- neben einer etwas ansprechenderen Einbandge-staltung mit einem ausführlicheren Kommentar versehen worden wäre,zumal sich in regionaler Hinsicht bereits eine Reihe von Publikationen derverstorbenen Herta Neunteufel mit dem vorliegenden Band und der Koch-und Heilkunst der Barockzeit beschäftigen. Ein kommerzieller bibliophilerVerlag setzt zwar mit einer gewissen Berechtigung auf die nostalgischenBedürfnisse des Publikums, übernimmt aber mit der Neuauflage kulturhi-storischer Raritäten zugleich eine kleine wissenschaftliche Verpflichtung.Bernhard Tschofen

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zur

Kriemhild KAPELLER, Tourismus und Volkskultur. FolklorismusWarenästhetik der Volkskultur. Ein Beitrag zur alpenländischen Folkloris-musforschung am Beispiel des Vorarlberger Fremdenverkehrs mit besonde-rer Berücksichtigung der Regionen Montafon und Bregenzerwald(= Dis-sertationen der Karl- Franzens- Universität Graz, Bd. 81). Graz, dbv- Verlagfür die Technische Universität Graz 1991, 352 Seiten, 42 Abb.

Tourismus hat als Forschungsgebiet der Volkskunde im vergangenenJahrzehnt mehr und mehr an Beliebtheit gewonnen und immer breiterenRaum gefunden- zwar noch nicht so sehr in der Praxis, also im Museums-und Ausstellungsbereich und in den Hörsälen der Universitäten, aber im-merhin in der Literatur und auf Tagungen und Seminaren.

Das hier zu besprechende Buch hat am Beispiel eines zwar regionalbegrenzten Untersuchungsraumes, aber sehr wohl mit universellerem An-spruch, versucht, der Bedeutung der Folklore innerhalb des PhänomensTourismus in den Alpen für die Gäste wie für die einheimische Bevölkerungnachzugehen. Kriemhild Kapeller hat dazu sehr reichhaltiges Quellenmate-rial zusammengetragen. Sie erläutert genau und ausführlich auch für denaußerhalb der Volkskunde Stehenden die ungewohnt intensive und interes-sante Diskussion im Fach zum Folklorismus. Und nachdem sie ihre undanderer Gedanken zum Tourismus ganz allgemein und zum Fremdenverkehrin den beiden Untersuchungsregionen Bregenzerwald und Montafon imspeziellen ausbreitet, geht sie auf eine Reihe von Aspekten ein, in denen sieden Folklorismus oder entsprechende Elemente davon manifestiert sieht.Dabei steht immer die Frage im Vordergrund, welche Funktionen einzelne