Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVI/ 95

das Geschilderte auch zunächst nicht an Militärgeschichte Interessierte zubegeistern vermag.

Letzteres gilt auch ganz besonders für drei anschauliche Exkurse, derenerster sich mit einem Inquisitionsprozeß gegen sieben Soldaten im Jahr 1712beschäftigt und deren zweiter die detaillierten und aufschlußreichen Tage-bücher eines erfolgreichen Milizoffiziers aus dem späten 18. Jahrhundertvorstellt. Bereits aus den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts, als St. Gal-len längst keine eigenen Milizen mehr unterhielt, datiert der dritte Exkurs,der mit zu den Höhepunkten des Bandes zählt. Dem aufkeimenden Ge-schichtsbewußtsein der Stadtbürger verdanken die sogenannten Milizenbil-der des St. Galler Malers Daniel Wilhelm Hartmann ihr Enstehen. Von einemBuchdrucker beauftragt, schuf Hartmann eine retrospektive Dokumentationder verschiedenen Gattungen der städtischen Miliz vor 1798. Dabei beste-chen die Gouachen weniger durch ihren sympathischen, etwas naiv anmu-tenden Realismus als vielmehr durch ihren waffen- und kostümgeschichtli-chen Quellenwert.

Von der insgesamt sehr gelungenen Veröffentlichung wünschte man sichlediglich auf inhaltlicher Seite eine verstärkte Nachfrage nach den mehr oderweniger symbolischen Bedeutungen der St. Galler Milizen unter anderemfür das historische Bewußtsein der städtischen Öffentlichkeit und somit fürdas bürgerliche Selbstverständnis im Ancien régime( und qua Erinnerungauch darüberhinaus). Denn die Betonung des Funktionalen hätte außerdemdie Gefahr zumindest verringern können, daß der in der friedliebend distan-zierten Neutralität des klassischen Historiographen verfaßte Band demeinen oder anderen Rezipientenkreis zur Legitimation rezenten schweizeri-schen Militarismus und Paramilitarismus gereichen mag.

Bernhard Tschofen

Ein Koch- und Artzney- Buch. Gedruckt zu Grätz/ bey denen Widmanstet-terischen Erben 1686. Originalgetreue Wiedergabe der Ausgabe Grätz 1686.Mit einem Geleitwort von Klaus Edlinger, einer Einführung des Verlagessowie 7 Seiten Worterklärungen und einer Tabelle für Maße und Gewichte.Reprint Graz, Verlag für Sammler, 1992. Zusammen 272 Seiten, 5 Illustra-tionen.

In Zusammenarbeit mit der Steiermärkischen Landesbibliothek ist imVerlag für Sammler, Graz, ein Nachdruck des ältesten in Österreich gedruck-ten Kochbuches vorgelegt worden. Dabei handelt es sich nicht nur um einepreiswerte Alternative für die zahlreichen Sammler und Freunde diesesbibliophilen Genres, sondern zugleich um eine kulturhistorisch in mehrerleiHinsicht aufschlußreiche Quellenedition.