1992, Heft 4
Literatur der Volkskunde
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zende Bedeutung hatten, ist weniger neu als die hier vorgelegte exakteAnalyse der Transformation von Kultgegenständen zu Zeugen einer profa-nen jüdischen Kunst und Kultur durch die Präsentationen.
Mit The Search for Identity: Central Europe between Tradition and Moder-nity überschreibt Péter Niedermüller seine Untersuchung von Identitätsstrate-gien in den Ländern des ehemaligen Ostblocks. Er diskutiert die unterschiedli-chen Identitätskonzepte im Hinblick auf ihre kulturwissenschaftliche Tauglich-keit und skizziert Nischenkulturen in Phasen verordneter Identitäten.
Tradition and Modernisation mag zwar ein vergleichsweise dünnesBändchen sein, aber es steckt voller Anregungen. Auf die beiden einleiten-den Essays wird dank ihrer theoretischen Überlegungen in den nächstenJahren bestimmt genauso wie auf die mehr oder minder materialreichenEinzeluntersuchungen mehrfach rekurriert werden.
Bernhard Tschofen
Ernst ZIEGLER, Die Milizen der Stadt St. Gallen. Rorschach, KantonaleSt. Gallische Winkelriedstiftung im Kommissionsverlag E. Löpfe- Benz,1992, 392 Seiten, zahlr. Abb.
Das schweizerische St. Gallen, bis 1798 Reichsstadt und unabhängigeRepublik, unterhielt bis zu diesem Datum der Eingliederung in die Helveti-sche Republik durch Jahrhunderte eigene Milizen. Das Jubiläum der seit 125Jahren mit der Soldatenfürsorge befaßten Winkelriedstiftung des Kantons St.Gallen war der äußere Anlaß zur Bearbeitung der Geschichte des städtischenVerteidigungswesens. Ernst Ziegler, der um die Regionalgeschichte ver-diente Stadtarchivar, legte nunmehr ein Kompendium vor, das die üblichenStandards von Festschriften dieser Art weit hinter sich läßt.
Zur Darstellung gelangen in dem wertvollst ausgestatteten und großzügigillustrierten Band nicht nur die verfaßten Milizen, sondern vielmehr eineumfassende St. Gallische Militärgeschichte: Die kriegerischen Handlungen,in die die Stadt noch unter der Herrschaft des Reichsstiftes verwickelt war,werden genauso berücksichtigt wie die Auseinandersetzungen zwischen, Städtischen und Äbtischen. Der Schwerpunkt des Bandes liegt, derQuellenlage entsprechend, naturgemäß auf der Geschichte der Organisationinnerer den Milizen kam etwa zugleich die Rolle einer Wehr in Feuers-und anderen Nöten zu- und äußerer Sicherheit.
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Mit akribischem Quellenstudium ist es dem Verfasser gelungen, denWandel der Milizen, ihrer Waffengattungen, Übungen, Kriegsteilnahmenund repräsentativen Aufgaben durch mehr als zweieinhalb Jahrhundertenachzuzeichnen. Immer wieder läßt Ziegler dabei die Quellen sprechen,zitiert ausführlich aus zeitgenössischen Protokollen und Berichten, so daß