1992, Heft 4
Chronik der Volkskunde
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erste Anschreiben wird wie üblich im April/ Mai verschickt, das Programmim August.
Die überraschend hohe Zahl von engagierten Beiträgen zur Kachelfor-schung auf dem Lienzer Symposium führte in einigen Gesprächen zurMeinung, daß sich alle an diesem Bereich der Keramikforschung aktivInteressierten im Frühjahr 1993( März/ April) an einem günstig gelegenenOrt im Unterfränkischen zu einem speziellen Meinungsaustausch treffen.Werner Endres
Folklore in the Identification Process of the SocietyTagung des Institutes für Ethnographie derSlowakischen Akademie der Wissenschaften( Národopisny ústav- Slovenská akadémia vied)Kočovce, 19. bis 22. Oktober 1992
Die Organisationsform der wissenschaftlichen Arbeit am ethnographi-schen Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften in Bratislavasieht die Ausrichtung von projektbezogenen Arbeitstagungen vor. Dabeistellen die Mitarbeiter der mittel- und langfristigen Projekte ihre Ergebnisse zurDebatte und suchen die Diskussion mit in ähnlichen Arbeitsfeldern tätigenKollegen aus dem In- und Ausland. Der Einladung nach Kočovce folgten etwavierzig Ethnologen, Volkskundler und Folkloristen aus dem Gastgeberlandselbst, aus Bratislava, aus Brünn und Prag, aber auch aus Ungarn, Polen,Litauen, Rumänien, Finnland, Deutschland, Österreich und der Türkei.
Mit seinem Projekt zu den interethnischen Bezügen in der slowakischenFolklore, zu den identitätsstiftenden und nationalen Funktionen der schrift-lichen und mündlichen Überlieferung hat sich das Institut auf wissenschaft-liches Neuland begeben und folgerichtig auf die neuen Verhältnisse imöstlichen Mitteleuropa reagiert: Themen, die bislang keine waren, undFragen, die nicht gestellt werden durften, standen nunmehr im Mittelpunktdes Interesses. Diese in jeder Hinsicht fundierte Neuorientierung, aber auchdie Bereitschaft zu aufwendiger Feldforschung und zu einem Quellenstudi-um mit neuen Perspektiven standen hinter den Referaten der Mitarbeiter desProjektes, die in ihrer Fülle hier nicht im einzelnen wiedergegeben werdenkönnen. Sie beschäftigten sich neben mehr theoretischen Beiträgen insbe-sondere mit der Konstruktion von Erinnerung und Identität, mit den Kon-takten und Problemen in ethnisch gemischten Gebieten und in Grenzregio-nen, sowie mit Stereotypen und Vorurteilen in der überlieferten Volkskultureinerseits und im alltäglichen Diskurs der Gegenwart andererseits. Dabeiwurden die Vorteile des an der slowakischen Akademie praktizierten Sy-stems der projektorientierten Forschung sichtbar: Es ermöglicht etwa die