Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
Seite
527
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1992, Heft 4

Chronik der Volkskunde

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Bericht über die, Sommerakademie Volkskultur"

vom 22. August bis 4. September 1992

in Altmünster/ Oberösterreich

Volkskultur kann nur dann gut sein, wenn die gesellschaftlichen Be-dingungen gut sind. Dieser einfache Satz- er stammt von Konrad Köst-lin- trifft Probleme der Gegenwart markant: Nationalismen und Fremden-angst sind uns nahe gerückt, sind zu realen Bedrohungen geworden. Und sielegitimieren sich nicht selten mit dem Verweis auf den Verlust von Eigenem.Damit angesprochen ist die facettenreiche Rolle des Kulturellen im ausge-henden 20. Jahrhundert. Denn auch die europäische Einigung polt Ängsteund Hoffnungen entgegengesetzt- hier die Befürchtung vor einer gesichts-losen Einheitskultur, dort das Szenarium eines Europas der Regionen.Beide Vorstellungen aber, ob Abwehr oder Offensive, bedürfen zwangsläu-fig einer kulturellen Formulierung des Eigenen als Erbe und als Gegenwart.Und nicht zuletzt ist davon erneut die Frage nach der österreichischenIdentität betroffen. Es ist daher nicht zufällig, daß in dieser Gemengelageauch Volkskultur zum Thema wird.

Kurz zur Vorgeschichte: 1991 regte Wissenschaftsminister Busek einenSchwerpunkt Volkskultur mit dem Ziel an, gegen deren politische Verwer-tung bzw. mediale Vermarktung anzutreten. In der Folge entwickelte eine losezehnköpfige Gruppe um das Österreichische Volksliedwerk ein Konzept füreine 14tägige Sommerakademie, das bewußt die eingangs erwähnten Entwick-lungen aufgriff und zur Diskussion stellte. Das gewählte Sonderthema Volks-musik" entsprach dabei nicht nur den Interessen der Organisatoren; es reflek-tierte auch die zentrale Position der Volksmusik in der Öffentlichkeit.

Manchmal werden Konzepte zur Wirklichkeit: Unterstützt vom Bundesmi-nisterium für Wissenschaft und Forschung, vom Bundesministerium für Unter-richt und Kunst sowie vom Land Oberösterreich ließ sich tatsächlich Neuesrealisieren. In 40 Einzelveranstaltungen vor mehr als 200 Teilnehmern wurdenausführlich Aspekte der Volkskultur behandelt. Auf diese, wie auch auf diegehaltenen Referate braucht hier nicht weiter eingegangen werden. AnfangNovember erschien darüber eine ausführliche Dokumentation.( Diese, wie aucheine Videocassette ist im Österreichischen Volksliedwerk beziehbar). Das Pro-gramm war dreigeteilt. Vormittags wurde ein Hochschulkurs" zu Volkskundeund Volksmusik abgehalten, der seminarmäßig Qualifikationen vermitteln soll-te. Nachmittags leiteten Impulsreferate beispielhaft zu Volkskultur, Ideologienund Visionen; Vermarktung und Tourismus; Volkskultur in den Medien- zurbreiten Behandlung über, während am Abend Konzerte und Referate vorgese-hen waren. Hervorgehoben seien die Vorträge der Minister Busek und Scholten,denn beide zeigten sich für das Thema Volkskultur" ausgesprochen offen undsagten auch für die Zukunft ihre Unterstützung zu. Dies, aber auch das vorge-tragene Interesse von Medien eröffnet neue, wahrzunehmende Chancen. Volks-