Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
Seite
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Chronik der Volkskunde

ÖZV XLVI/ 95

Quellenwert und manchen anderen rekreativen Vorzügen rechtfertigt gewißauch dies den großen ideellen und materiellen Aufwand ihrer Schaffung undErhaltung. In ihrer umfassenden Aufgabe, Ausrichtung und Öffentlichkeits-wirkung bekräftigt sie stets der redliche, sinngemäße Vollzug einer aktuellenund bewußten Distanzhaltung und das offene und rechte Verhältnis zuunserer eigenen Gegenwart und Jetztzeit. Aus diesem großen Spannungsfeldund mit den speziellen Qualitäten solcher Museen unter freiem Himmelerwächst letztlich deren besonderer Effekt, und darin liegt zugleich auchihre Zukunft.

Bericht über den 19. Österreichischen Historikertagvom 18. bis 22. Mai 1992 in Graz

Für die Ausrichtung des 19. Österreichischen Historikertages vom 18. bis22. Mai 1992 in Graz war der Umstand maßgebend, daß vor 800 Jahrendurch das Inkrafttreten der im Jahre 1186 von den Traungauern festgelegtenErbfolge das Herzogtum Steiermark an die Babenberger fiel. Dieser Zu-wachs bildete einen wesentlichen Baustein für das nachmalige Haus Öster-reich und begründete sein föderalistisches Prinzip. In Anbetracht des Span-nungsverhältnisses zwischen absolutistischen und totalitären Machtansprü-chen und dem Streben nach Selbständigkeit und Demokratie wählte man fürden diesjährigen Historikertag Zentrale und dezentrale Machtgefüge in derGeschichte" zum Generalthema. Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereig-nisse in Ost- und Südosteuropa erhielt diese Problematik eine unerwarteteAktualität.

Die treue Verbundenheit der Steiermark zu Österreich bei gleichzeitigerWahrung der Eigenständigkeit bot denn auch Landeshauptmann Dr. JosefKrainer bei der feierlichen Eröffnung am Dienstag vormittag im GrazerStefaniesaal die Gelegenheit, in einer engagierten Rede ein Bekenntniszu diesem steirischen Weg" abzugeben. Angesichts der dramatischenEreignisse an der Südgrenze des Landes konfrontierte hingegen Bürger-meister Dr. Stingel bei seiner Begrüßung die versammelten Historikermit der Frage, ob der Mensch überhaupt fähig sei, aus der Geschichte zulernen.

Den Eröffnungsvortrag hielt Prof. Othmar Hageneder, der über DieLänder im spätmittelalterlichen Verfassungsgefüge sprach. Am Nachmit-tag setzten die Beratungen der einzelnen Sektionen und Arbeitsgemein-schaften ein, die inzwischen auf 22 angestiegen sind. Das bedeutete, daß ansieben zur Verfügung stehenden Halbtagseinheiten jeweils mindestens dreiSektionen bzw. Gruppen gleichzeitig tagen mußten. Wegen der unterschied-lichen Vortragszeiten war auch ein Wechsel von Sektion zu Sektion wenig