Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
Seite
429
Einzelbild herunterladen
 

Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band XLVI/ 95, Wien 1992, 429-431

Leopold Kretzenbacher 80 Jahre

Zueignung

Von Helge Gerndt

Lieber Leopold Kretzenbacher,

Sie schätzen keine Elogen, aber zu Ihrem achtzigsten Geburtstagwerden Sie gewiß uns den Ausdruck öffentlich bekundeter Freude undsich einen Augenblick wohlverdienten Stolzes gestatten, wenn Ihnenhier die Ihnen seit vielen Jahrzehnten eng vertraute ÖsterreichischeZeitschrift für Volkskunde namens der Vielen, die Ihnen als Freunde,Kollegen und Schüler verbunden sind, verehrungsvoll und dankbarherzliche Segenswünsche übermittelt. Alt zu werden, so haben Sie imGeleitwort Ihres jüngsten Sammelwerkes bescheiden angemerkt, seikein Verdienst, sondern Gnade, und in Dankbarkeit gedenken Sie dortder Tatsache, daß Sie auch über die Wegmarke Fünfundsiebzig"hinaus einigermaßen gesund geblieben sind und sogar noch arbeitendürfen. Tiefe Dankbarkeit darüber empfinden auch wir, umso mehr,als Sie in den letzten Jahren Ihr reiches Lebenswerk uns allen zumNutzen noch mit einer ganz eigengeprägten Zusammenschau der vonIhnen schon früh erstrebten Ethnologia Europaea haben krönen können.

Wer all Ihre wissenschaftlichen Studien, welche Sie, der Sie vorsechzig Jahren bereits im allerersten Semester an der Grazer Univer-sität bei Viktor von Geramb mit der Volkskunde in Berührung kamen,publizieren konnten, auch nur aufzählen wollte, würde nicht so raschzu einem Ende kommen. Schon die Bibliographie Ihrer Veröffentli-chungen füllt zwei Broschüren und muß weiter ergänzt werden; alleinsechzehn umfangreiche Buchmonographien finden sich darunter ver-zeichnet und überdies weitere sechzehn stattliche Einzelschriften, diemeist als Sitzungsberichte der Bayerischen oder der ÖsterreichischenAkademie der Wissenschaften erschienen sind. Noch überraschenderaber ist die Breite des Interessensfeldes, das sich in diesen Büchernspiegelt: Volksfrömmigkeit und Recht, Brauch und Sport, Sage undLied, Volksschauspiel und Volksliteratur, Bilder und Legenden be-zeichnen nur die wichtigsten Ihrer Forschungsgegenstände, die Sieunter kulturhistorischen Gesichtspunkten so vielfältig miteinander