Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
Seite
407
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1992, Heft 3

Literatur der Volkskunde

407

Othmar PRUCKNER, Mit der Eisenbahn durch Österreich. Museums-bahnen und Luxuszüge. Ausflüge, Radtouren und Städtereisen vom Seewin-kel zum Bregenzer Wald. Wien, Falter Verlag, 1992, 315 Seiten, zahlreicheFotos und Streckenkarten.

Ein Reiseführer inmitten tiefgründiger volkskundlicher Fachliteratur?Warum nicht, gilt doch das Reisen seit jeher als eine der zentralenMöglichkeiten, Land und Leute" kennenzulernen. Per Rad, zu Fuß, oder-wie in dem vorliegenden Band per Eisenbahn. Ein Fachbuch für Eisen-

bahnfetischisten?

Dazu schreibt der Autor im Vorwort: Eine Warnung zu Beginn: Dies istkein Buch, das den Schwerpunkt auf Eisenbahntechnik, auf Lokomotivbau-reihen und Biographien von Luxuswaggons legt. Dies ist außerdem keinBuch, das die Baugeschichte jeder einzelnen österreichischen Bahnstreckein chronologischer Exaktheit nacherzählt. Und auch Verkehrspolitik kommtnur in Randbemerkungen vor." Was ist es dann?

Auch keiner der herkömmlichen Reiseführer, in denen die Fremden mitdem Zeigefinger darauf gestoßen werden, was sie zu sehen haben. Vielmehrist es ein kurzweiliges Lesebuch zum Thema Bahnfahren: Das Abteil wirdzum Kinosaal und das Zugfenster zur Kinoleinwand, auf der ein schönerFilm abläuft." Und wie man sieht, hat das Programmkino Eisenbahn einigeszu bieten. Der Bogen reicht von bekannten Monumentalfilmen wie dieBahnstrecke über den Arlberg oder die über den Semmering( deren Lang-version derzeit in Gloggnitz abläuft) bis hin zu skurrilen Kurzfilmen. Dazuzählen etwa die Heustadtramway Innsbruck- Fulpmes oder die Verbin-dungsschmalspurbahn Obergrafendorf- Wieselburg. Etwas sentimentalstimmen die zahlreichen, bereits stark angebleichten Schwarzweißfilme derNebenbahnen. Diesen wird im vorliegenden Buch großer Raum gewidmet,stellten sie doch über Jahrzehnte hindurch den bedeutendsten Faktor zurErschließung der Landschaft dar. In Detailskizzen werden besonders dieNebenbahnen in ein umfassendes kulturelles Bezugssystem eingebettet.Landschaftliche und kulturelle Bezüge lassen die Filme auch in der histori-schen Dimension jederzeit aktuell erscheinen. Freilich zumeist im Sinnekulturhistorischer Dokumente, fielen doch in den letzten Jahren zahlreicheNebenstrecken den Rationalisierungsbestrebungen der ÖBB zum Opfer.Zunehmende Beliebtheit finden viele dieser Bahnen neuerdings im Rahmenregionaler Tourismusverbände, die bestrebt sind, Museumseisenbahnen undNostalgiezüge in ihren Konzepten zu verwerten. Daß derartige Museums-bahnen nicht unbedingt im peinlichen Trachten- und Blasmusikumfeldfolkloristischer Darbietungen enden müssen, zeigt der Autor anhand dersteirischen Eisen- Bahn, der Bahnstrecke zwischen Vordernberg und Ei-senerz. Diese Bahnlinie, an der die Anfänge des österreichische Bahnwesensangesiedelt werden können, wurde vor vier Jahren für den Personenverkehr