Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVI/ 95

war zwischen seinem 16. und 18. Lebensjahr in einem Konzentrationslagerfür Jugendliche, weil er dänische und holländische Zwangsarbeiter beiihrer- verhältnismäßig unbedeutenden- Widerstandsarbeit unterstützt hat-te. Die Autorin ist seine Tochter, was einen besonders schwierigen Balance-akt zwischen beziehungsbedingter Nähe und von der Wissenschaft gefor-derter Distanz mit sich bringt. Tatsächlich habe ich als Leser das Gefühlgehabt, mit einer relativ objektiven Beschreibung der Gegebenheiten kon-frontiert zu sein. Eine Ausnahme bildet lediglich der letzte Abschnitt, in demes um die Probleme Erwin Rehns geht, in der Nachkriegszeit von der Gesell-schaft als Opfer anerkannt zu werden. Der Autorin gelingt es zwar auf feinsin-nige und anschauliche Weise, den Umgang der Leute mit der eigenen Vergan-genheit darzustellen und häufig beobachtbare Verlogenheiten bloßzulegen, aberim sehr persönlichen Bereich ist die Nähe zum eigenen Vater deutlich spürbar.Für die Analyse der Geschehnisse hat Marie- Elisabeth Rehn offensicht-lich sehr viel Aktenmaterial eingesehen, private Aufzeichnungen ausgewer-tet und an den Geschehnissen beteiligte Personen befragt. Sie hat dieQuellen sehr gut miteinander verknüpft. Wenn sie Aussagen von Gewährs-personen zitiert, prüft sie immer, ob etwa entsprechendes Archivmaterialoder Angaben anderer das erhaltene Bild bestätigen oder ergänzen. InFällen, in denen das nicht gelingt, wird es unumwunden zugegeben, auchwenn es anders besser ins Gesamtkonzept der Autorin passen würde( vgl.etwa S. 133f.). Die Interviews sind insgesamt gut analysiert, das zeigt sichbesonders bei der Beschreibung des Gesprächs mit dem Sohn des national-sozialistischen Bürgermeisters von Heide Glossar ::: zum Glossareintrag  Heide; letzterer war hauptverantwortlichfür die Internierung Erwin Rehns ins sogenannte Jugendschutzlager( S. 97-99).

Lediglich einige wenige sprachliche Eigentümlichkeiten und Ungenauigkei-ten, ein teilweise falscher Wechsel der verwendeten Zeiten sowie die schlechteAbstimmung von Text und Photos im ersten Abschnitt trüben den gutenGesamteindruck des Buches ein wenig. Böswillige Kritik könnte hier Ansatz-punkte finden, sie wäre jedoch gerade angesichts des Themas und des deutlichspürbaren Engagements, mit dem es bearbeitet worden ist, sicher fehl am Platze.Christian Stadelmann

Károly GAÁL( Hg.), Heimat Sallingberg. Familie, Vereine, Gemeinde alsheimatbildende Kräfte. Marktgemeinde Sallingberg, 1991, 191 Seiten, zahl-reiche Abb.

Sallingberg ist eine niederösterreichische Marktgemeinde im südlichenWaldviertel. Vor geraumer Zeit fanden dort im Rahmen eines Seminarsstudentische Feldforschungen statt. Ein- offensichtlich brauchbarer- Teil