Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
Seite
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1992, Heft 3

Literatur der Volkskunde

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Hauptteil mit der im Heiligenlexikon nicht übereinstimmt: Monika wird am27.( so S. 24), nicht am 7. August( S. 189) gefeiert; der Festtag des Prophe-ten Daniel ist weder am 1. Juli( S. 43) noch am 21. Juni( S. 185), sondernam 21. Juli; Viktor von Mailand wird am 21. Mai( S. 174), nicht am 8. Mai( S. 192) gefeiert; der Platz des Cyrillus von Alexandrien wurde im Heiligen-kalender im Laufe der Jahrhunderte freilich mehrmals geändert, seiner wirdaber im Westen seit 1882 am 9. Februar, nicht am 27. Juni( S. 41; so auchnach der Ordnung des Menoliten Basilius 11.) oder am 22. Juli( S. 185)gedacht.

Ich wünsche dem relativ preiswerten Buch, daß es möglichst bald einezweite Auflage erfahre, damit die notwendigen Korrekturen angebrachtwerden können, die es Kunsthistorikern und Volkskundlern erlauben, indieser Fundgrube zielstrebig zu wühlen und fündig zu werden. Das Buchhätte das Zeug zu einem Handbuch der Heiligenikonographie in Südtirol.Gottfried Kompatscher

Marie- Elisabeth REHN, Heider gottsleider. Kleinstadtleben unter demHakenkreuz: Eine Biographie(= Schriften der Schweizerischen Gesell-schaft für Volkskunde, Bd. 73). Basel, Verlag der Schweizerischen Gesell-schaft für Volkskunde, 1992, 213 Seiten, Abb.

,,, Heider gottsleider!" ist ein Spottruf, der in den Gemeinden Norderdith-marschens[ Schleswig Holstein] den Bewohnern der Kreisstadt Heide giltund der vom derben, buchstäblich schlagfertigen Witz der Dithmarscherzeugt[...]. Der Ausruf, Heider gottsleider ist im Zusammenhang mit derLebensgeschichte des Heiders Erwin Rehn, von dem dieses Buch erzählt,als Stoßseufzer zu verstehen."

Mit diesen Worten wird die jüngste Schrift der Schweizerischen Gesell-schaft für Volkskunde eingeleitet, die die Lebensgeschichte eines Manneserzählt, eingebettet ins Umfeld der Entwicklung einer norddeutschen Klein-stadt zum und während des Nationalsozialismus. Der Titel wirkt etwaskonstruiert, wird doch in der Folge nicht mehr Bezug darauf genommen.Aufschlußreicher ist der Untertitel, der die über die Biographie hinausge-hende umfassendere Darstellung andeutet. Penibel hat die Autorin dieStationen recherchiert, die den schrittweisen Übergang von der WeimarerRepublik zum Nationalsozialismus in ihren gesellschaftlichen und politi-schen Dimensionen markieren. Dabei ist die Wechselwirkung zwischenmakrostrukturellen Gegebenheiten und persönlichem Erleben nachemp-findsam dargestellt. Das verleiht dem Buch sehr viel Spannung, zumal mananteilnehmend am eindringlich geschilderten Schicksal einer einzelnenPerson die regionale und nationale Entwicklung mitverfolgt. Erwin Rehn