1992, Heft 3
Literatur der Volkskunde
395
Stellenwert der Tracht im Leben der Befragten zielte. Die angewandtesozialwissenschaftliche Untersuchungsmethode mittels Fragebögen und de-ren quantifizierende Auswertung, die Gründe für deren Wahl und die Vor-gangsweise werden ausführlich dargelegt. Die Methode ist äußerst aufwen-dig und läßt letztendlich nur quantifizierende Aussagen auf deskriptivemNiveau zu, was laut Selbsteinschätzung durchaus den Versuchsplan derUntersuchung entsprach. Ob die aus der empirischen Studie gewonnenenErkenntnisse den großen Aufwand lohnen, bleibt ein wenig zu fragen. Aminteressantesten sind denn auch nicht die prozentuellen und tabellarischenErgebnisse nach alters-, geschlechts- und berufsspezifischen Kriterien, son-dern die freiformulierten Antworten auf die offenen Fragen des Fragebo-gens, welche die Autorin wörtlich in das Buch übernommen hat, und die sicheiner quantifizierenden Analyse entziehen. Obwohl in der Volkskunde im-mer wieder der Ruf nach exakten Methoden laut wird, wird man diesemFach und seinen Fragestellungen meines Erachtens doch weit besser mit densogenannten weichen Methoden gerecht. Vom Umgang mit ländlicherTracht erfährt man jedenfalls in dem vorliegenden Buch so viel Neues undInteressantes, daß es uneingeschränkt zur Lektüre empfohlen werden kann.
Margot Schindler
Karl GRUBER, Südtiroler Heiligenhimmel. Namenspatrone in der hei-mischen Kunst. Bozen, Athesia, 1991, 196 Seiten, 390 Farbfotos.
Der vorliegende Band hat die in Südtirol verehrten Heiligen zum Inhaltund ist für einen breiten Leserkreis gedacht. Es ist in erster Linie einBilderbuch, verzichtet auf Quellen- und Literaturhinweise, möchte ,, auchAnregung sein, über die Gemeinschaft der Heiligen nachzudenken; einAufruf zum Beten“( Vorwort). Für den Kulturhistoriker jedoch bietet dasWerk Karl Grubers, der seit zwei Jahrzehnten von der Diözese Bozen- Brixenmit der Betreuung kirchlicher Kunstschätze betraut ist, eine aufschlußreicheZusammenstellung der Patrozinien von über 800 Kirchen und Kapellen desLandes, Informationen über spezielle Formen der Verehrung bestimmterHeiliger und vor allem erstklassiges Bildmaterial zur Heiligenikonographie.In einer kurzen Einleitung zum Buch versucht der Brixner TheologeJohann Theiner den Begriff der Heiligenverehrung zu klären. Er definiertVerehrung als Ehrfurcht im Spannungsfeld von zu wahrendem Abstand undZuneigung. Die katholische Heiligenverehrung rechtfertigt er etwas um-ständlich über das Postulat der Nächstenliebe, die nicht mit dem Tod endenmüsse: so wie man für Verstorbene beten könne, so sei auch der Kontakt mitVerstorbenen, die bei Gott sind, möglich. Theiner hebt den Vorbildcharakterder Heiligen hervor und streift nur kurz den Aspekt der wunderbaren