Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
Seite
380
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Chronik der Volkskunde

ÖZV XLVI/ 95

Langsam lerne ich Geduld zu übenund verlern zugleich ein Ziel zu sehn.Manche Freunde, die mich herzlich lieben,geben Hoffnung, wenn sie vor mir stehn.

Hoffnung auf noch viele große Taten;unentbehrlich sei ich für das Land!Doch verbrauchte ich schon alle Raten,die ein guter Gott mir gab als Pfand.

Wie auch andern ist es mir gegeben,unvollendet aus der Zeit zu gehn;dankbar denk ich an mein langes Lebenund bald werde ich beim Ausgang stehn.

Walter Deutsch, 10.10.1990.( Angeregt durch das gleichnamige Gedichtvon Theodor Kramer- I/ 356).

Lieber Walter, es sei Dir und uns gestattet, heute dankbar an Dein langesLeben zu denken- und das mit dem Ausgang noch ein wenig zu verschie-ben. Unvollendet das werden wir wohl alle sein, trotz aller Leistungen,Hinterlassenschaften und Ehrungen. An der Haberlandt- Medaille, die Dirder Verein für Volkskunde jetzt überreichen wird, mögest Du nicht allzuschwer tragen. Unsere Wissenschaft, die oftmals um ihre Anerkennung inder Öffentlichkeit ringt, braucht die sichtbaren Zeichen dekorierter Brüsteund die Riten gegenseitiger Verbeugungen. Wir machen sie gerne mit undfrohen Herzens, wenn sie einen Würdigen treffen. Daß dies heute der Fallist, unterliegt keinem Zweifel.

Gerlinde Haid

Worte des Dankes

Als Hochgelobter stehe ich vor Ihnen und bin mir nicht sicher, ob meineWorte des Dankes auch der Ehrung entsprechen, die mir hier zuteil gewor-den ist.

Seit ich im vergangenen Oktober meine Abschiedsvorlesung an derHochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien hielt, wurde ich vonunterschiedlichen Institutionen mit einigen Zeichen in Gold, Silber, großund klein für besondere Verdienste geehrt. Ohne je diese wunderbarenZeichen in ihrem Wert schmälern zu wollen, möchte ich hier aufrichtigbekennen, daß mir keine andere Auszeichnung so viel Freude macht, wiediese Michael- Haberlandt- Medaille. Und warum? Weil genau vor 40 Jahren,1952, in diesem kultur- historisch bedeutsamen Haus die erste Begegnung