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Gottfried Korff
ÖZV XLVI/ 95
mente, die in Einsatz kamen: mit Tannengrün geschmückte Straßen-schilder, festliche Grundsteinlegungen mit„ symbolischen Hammer-schlägen“, Aufzüge mit Fahnen und Portraittransparenten, Lichter-prozessionen usw. 20 Was sich im Dezember 1949 in der Stalinalleeabspielte, traf in ähnlicher Weise für alle sozialistischen Straßen- oderNeubenennungen zu: Sie waren mit Festen, Ritualen und Bräuchenverkoppelt, die den„ Taufakt“ zu einem Erlebnismodell machten undso effizient in die öffentliche Erinnerungskultur einmontierten. Durchdie Zeremonien wurden die Straßenumbenennungen in gewisser Wei-se der mémoire collective heiß eingraviert. Mit der Benennung, ge-nauer: mit den Aktionen aus Anlaß der Benennung, wurde Geschichteerlebbar gemacht, eine Geschichte, die zum Teil bis heute noch inGeschichten weiterlebt.
1951, als es zur größten, zur umfassendsten Umbenennungsaktionin Ost- Berlin kam, war ein Fest selbst der Anlaß für die Namensän-derungen gewesen. Zwischen April und Mai 1951 waren 159 Straßenumbenannt worden, um die Stadt für das III. Festival der Weltjugendaufzurüsten. Das Ereignis, das von der DDR als„ Einstand“ in diesozialistische Staatengemeinschaft inszeniert wurde, bewirkte zudemeine direkte Namensänderung: Die U- Bahnstation„ Schwarzkopf-Stadion" wurde in„ Stadion der Weltjugend“ umbenannt und hießso bis zum Herbst 1991. Die Änderung des Namens„ Lustgarten"zwischen Stadtschloß, Schinkels Altem Museum und Dom in„ Marx-Engels- Platz“ wurde ebenfalls im Zusammenhang mit einer großan-gelegten Festveranstaltung mit der Mai- Feier 1951 vollzogen,einer Veranstaltung, bei der sich etwa eine Million Bürger auf demnach Vorbild des Roten Platzes in Moskau dekorierten Areal versam-melten.
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Auch wenn die Umbenennungsfeiern nicht immer so aufwendiginszeniert waren wie in der Stalin- Allee 1949 oder beim Marx- En-gels- Platz 1951, waren sie doch durchgehend die Regel und alsritualisierte Prägefaktoren nicht unerheblich bei der Bildung derneuen, der sozialistischen mémoire collective. Was zelebriert wurde,war in der Tat jeweils so etwas wie eine profane Tauffeier, die analogzu den Beobachtungen Leopold Schmidts in„ Brauch ohne Glauben"
20 Neues Deutschland vom 22. Dezember 1949(„ Stalinallee- Symbol friedlicherZukunft. Freudig bewegt feierten hunderttausende Berliner aus allen Sektorendie Umbenennung der Frankfurter Allee in Stalinallee. Diese Straße ist Symboldes Friedens, des Aufbaus, der Zukunft").