1992, Heft 2
Literatur der Volkskunde
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Leser, daß dem Pächter, der ihre Gutmütigkeit des öfteren zu seinem Vorteilausgenutzt, und dem Ortsbauernführer, der sie angezeigt hatte, ohne ihrZutun ausgleichende Gerechtigkeit zuteil wird.
Durch das Distanzvermögen der Autorin, die als gebildete StädterinZugang zum einfachen Leben der Bergbauern sucht, unterscheidet sichdieses Buch von den Lebenserinnerungen, wie wir sie beispielsweise vonden Bäuerinnen Barbara Passrugger( Hartes Brot) und Anna Wimschneider( Herbstmilch) kennen. Nora Wattek versucht in ihrer Darstellung eigeneErfahrungen und volkskundliches Wissen zu kombinieren und erzählt ausder Sichtweise des Städters Dinge, die den Bergbauern vielleicht gar nichtbeachtenswert erscheinen würden. Dennoch ist das Buch nicht als Mono-graphie einer bäuerlichen Lebensform zu verstehen, da der autobiographi-sche Gedanke im Vordergrund steht. Als rein subjektive Feststellung sei amSchluß noch angemerkt, daß die Wahl des ungewöhlichen sepiafarbenenDrucks optisch begrüßenswert ist.
Nora Czapka
Ralph ANDRASCHEK- HOLZER, Erich RABL( Hg.), Höbarthmuseumund Stadt Horn. Beiträge zu Museum und Stadtgeschichte. Horn, Museums-verein, 1991. 256 Seiten, Abb.
Die vom Horner Museumsverein herausgegebene Aufsatzsammlung istals Festschrift zum 60jährigen Bestandsjubiläum des Höbarthmuseums unddes Museumsvereines 1990 und dem 100. Geburtstag seines Gründers JosefHöbarth im Vorjahr zu verstehen, wenngleich sie nicht als solche konzipiertworden ist.
Die reich illustrierten Beiträge sind nicht allein auf den musealen Bereichbeschränkt, sondern schließen auch stadtgeschichtliche Aspekte mit ein.Dem Charakter des Museums entsprechend, nämlich der ausgewogenenPräsentation ur- und frühgeschichtlicher Objekte und kulturgeschichtlicherZeugnisse zur Volkskunde und Stadtgeschichte, sind auch die Themen dervorliegenden Aufsatzsammlung ausgewählt worden. Fritz Krinzinger vomInstitut für Klassische Archäologie der Universität Wien übernahm dieDarstellung der Lebensgeschichte Arthur Novaks, des Erwerbs seiner Pri-vatsammlung prähistorischer und antiker Exponate und die Ergebnisse derwissenschaftlichen Bearbeitung. Gemeinsam mit Walter Leitner hatte derAutor 1981/82 die Sammlung zur Restaurierung übernommen und 1983 ineiner Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert. Vom 25. April bis 2. No-vember 1992 ist eine weitere Sonderausstellung über die Antikensammlungvon Feldmarschalleutnant Arthur Novak im Höbarthmuseum geplant. MariaLochner vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien