Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
Seite
261
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1992, Heft 2

Literatur der Volkskunde

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Atlasunternehmen angehörte. Gut die Hälfte dieser Erinnerungen einesWestpreußen nimmt die Zeit bei der Zentralstelle im Berliner Stadtschloßein. Danach ging Knopf, inzwischen examiniert, in seine Heimat zurück,blieb jedoch dem Unternehmen als Gewährsmann für Sonderaufgaben wei-terhin verbunden. Aus Westpreußen berichtet dann die zweite Hälfte seinesTextes, woran sich einige Briefe und ein Manuskript zur Geschichte desAtlas der deutschen Volkskunde aus dem Nachlaß von Richard Beitl an-schließen, der auch der Verfasser eines politisch- sartirischen Puppenspielsist, wozu sein Atlaskollege Reinhard Peesch die Köpfe für die Handpuppenbeisteuerte. Der Text dieses Spiels rundet das Büchlein ab.

Außer Erinnerungen an die damaligen Mitarbeiter am Atlas werdenüberall die politischen und sozialen Verhältnisse der damaligen Zeit einge-fangen, die Auseinandersetzungen zwischen links und rechts vor der Macht-übernahme Hitlers, die Schwierigkeiten volkskundlicher Erhebungen impolnisch verwalteten Korridor zwischen West- und Ostpreußen, dem sog.Pommerellen. So wurde aus dem Erinnerungsbüchlein ein echtes Zeitdoku-ment. Und daß vielleicht Berlin nach mehr als 60 Jahren wiederum eineSogwirkung erfahren wird, die einst junge Leute im Dienste der Wissen-schaft zusammengeführt hatte, macht es noch lesenswerter.

Herbert Schempf

Nora WATTEK, Alltag ohne Wiederkehr. Bergbauernleben vor einemhalben Jahrhundert. Salzburg, Pustet, 1991. 165 Seiten.

Die Salzburgerin Nora Wattek ist für ihr Engagement als Heimatforsche-rin und Autorin zahlreicher Beiträge und Bücher kunsthistorischer undvolkskundlicher Thematik bekannt. Für ihr privates Interesse an der Erfor-schung und Bewahrung Salzburger Kulturgüter wurde sie bereits mehrfachausgezeichnet. In der vorliegenden Publikation schildert sie ihre eigenenErfahrungen im Umgang mit den Bergbauern während des 10jährigenBesitzes einer Almwirtschaft. Ausschlaggebend für die Veröffentlichungwar die Anfrage von Kurt Conrad, dem Gründer des Salzburger Freilicht-museums Großgmain, ob sie jemanden kenne, der hölzerne Zaunringeherstellen könne. Sie berichtete ihm von ihren eigenen Erfahrungen mitdieser Arbeit und verfaßte auf sein Anraten schließlich ein Manuskript,welches nun unter der Redaktion von Reinhard Schmid erschien.

In ihren Aufzeichnungen schildert Nora Wattek( Jahrgang 1901) die Zeitihres Almbesitzes von 1939 bis 1949. Die politische Situation ließ sie bereitsnach dem Anschluß Österreichs einen Kriegsausbruch ahnen. Um der Fami-lie eine Zufluchtsmöglichkeit zu geben, kaufte sie auf dem Spumberg beiSalzburg ein Anwesen. Dazu kam ihr persönliches Verlangen nach einer