Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVI/ 95

Nicht nur die liebevoll zusammengestellten Bilder- Photos und Skizzen,50 Schwarz- weiß, 13(!) in Farbe- freuen den Leser, auch der spielerischeUmgang mit der Sprache, wie es schon die Einläutung verheißt. Dieseschreibt Pfarrer Elmar Mayer von Breitenfeld, der zu Freud und Läut( pardon: Leid) seiner Gemeinde die Glocken klingen läßt. Es folgen aber-gläubische Töne, aber nicht zu viele. Hannelore Fielhauer läßt ihre LeserIn-nen nicht lange in Irrtümern über Dämonen und Abwehrzauber, wie sieandere Autoren so gerne pflegen. Man erfährt, daß der Teufel in Bocksgestalteine Erfindung des barocken Jesuitentheaters ist und die Traditionen derZauber- und Amulettglocken ziemlich gut überschaubar" sind. Gott seiDank, kein Platz für Mysteriöses.

So folgen auch gleich Seitenblicke zu Glocken, die nicht läuten. Zunächstnoch augenzwinkernd: die Gauß'sche Glockenkurve der Wahrscheinlich-keitsrechnung, Literarisches und Musikalisches( Marianne Mendt: AGlocken, die 24 Stundn läut""), dann todernst, wenn von Glocken alsMachtsymbol und der Verwandlung von Glocken zu Kanonen die Rede ist.Einem Kapitel über die Gußkunst folgt ein kurzer historischer Abriẞ querdurch Zeiten und Kulturen, ehe das Kernstück- das Glocken- ABC vonAbendglocke bis Zügenglöcklein- erreicht ist. Spätestens hier wird klar,daß das mehr oder minder wohltönende Instrument keineswegs dem kirch-lichen Gebrauch vorbehalten blieb. Es spricht für die Kreativität der Autorin,auch Glockenrock, Käseglocke und Schneeglöckchen in ihr ABC aufzuneh-men. Man muß eben auch als Experte nicht alles so eng sehen. Mit Sozial-kritik einerseits und pfarrherrlichem Nachwort andererseits klingt das Buchaus. Den Nachhall liefern Literaturverzeichnis und Register.

Helga Maria Wolf

Klaus BEITL( Hg.), Atlas der deutschen Volkskunde- Kleine Geschich-ten eines großen Forschungsunternehmens. Aus den Erinnerungen einesWestpreußen( 1968) von Reinhold Knopf und aus dem Nachlaẞarchiv vonRichard Beitl.(= Veröffentlichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte41). Würzburg, Bayerische Blätter für Volkskunde, 1990. 170 Seiten.

Über die eigentlich wissenschaftliche und insbesondere methodischeArbeit am Atlas der deutschen Volkskunde wird der Leser dieses Büchleinswenig erfahren. Dies war auch nicht beabsichtigt. Vielmehr ging es demHerausgeber darum, Erinnerungen an die Mitarbeiter wachzurufen und dasAthmosphärische der gemeinsamen Arbeit im Berlin der beginnenden 30erJahre einzufangen. Der Herausgeber konnte sich dabei auf ein handgeschrie-benes Manuskript des Philologen Reinhold Knopf( 1902- 1985) stützen,welcher zwischen 1929 und 1934 als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter dem