Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVI/ 95

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phischen Breite fast unbegrenzt verbreitet und vorhanden. Aber nicht die,, survivals" als solche sind das letzte Ziel, sondern die Lösung der Frage:, Warum und wozu haben alle diese für uns zunächst sehr sonderbarenVorstellungen und Praktiken eigentlich weitergelebt?" Man sollte diese alsonicht wie tote Museumsstücke betrachten, die durch die Geschichte inirgendeinem Kuriositätenkabinett der Menschheit erhalten blieben. Viel-mehr sollte man solche Überreste" verstehen als aktive Elemente immenschlichen Kulturschaffen und-prozeß, in denen sie unmittelbar inte-griert waren und deren Resultate ja erst die verschiedenen Kulturen unsererheutigen Welt ergeben. Lindners kleines Büchlein vom Aberglauben regtvielleicht zum Nachdenken an, vielleicht will es gar nicht mehr. Aber eswäre gut, wenn es in den gewichtigen Fragen, um die es letztlich geht, zuFakten und Erkenntnissen hinführen könnte, die wir hier an dem Beispieleines großen schwedischen Forschers aufzeigen wollten.

Anmerkung

1 Vgl. Dieter Harmening: Superstitio. Überlieferungs- und theoriegeschichtlicheUntersuchungen usw. Berlin 1979; ders., Superstition- Aberglaube". In: E.Harvolk( Hg.), Wege der Volkskunde in Bayern. München/ Würzburg 1987,S. 261 292, hier S. 287.

Oskar Moser

Helmut EBERHART, Edith HÖRANDNER, Burkhard PÖTTLER( Hg.),Volksfrömmigkeit. Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1989 inGraz. Wien, Selbstverlag des Vereins für Volkskunde, 1990. 408 Seiten.

Als Rezensentin eines Sammelwerks sieht man sich immer vor dasProblem gestellt, aus der Fülle einiges herausgreifen zu müssen. Hervorhe-henswert und wertvoll an diesem Aufsatzband ist vor allem die Weite derBehandlung des Themas Volksfrömmigkeit. Der Sammelband trägt zurDiskussion der interdisziplinär und international unterschiedlichen Ideenund Ansätze bei.

Sehr begrüßenswert ist zu Beginn die theoretische Auseinandersetzungmit dem Begriff Volksfrömmigkeit in dem Beitrag von Christoph Daxelmül-ler( Regensburg), der den provokativen Titel Volksfrömmigkeit ohneFrömmigkeit. Neue Annäherungsversuche an einen alten Begriff" trägt, DerVerfasser setzt sich kritisch mit den im Lexikon für Theologie und Kirchegetrennten Begriffen Frömmigkeit und Volksfrömmigkeit auseinander.Das Problem, das die Kategorie Volksfrömmigkeit enthält, stellt sich abernicht nur semantisch, sondern vielmehr auch inhaltlich. Ch. Daxelmüllerkommt dabei zu dem Ergebnis, daß die Unterscheidung zwischen Frömmig-keit und Volksfrömmigkeit ein sekundäres, der historischen Realität in