Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
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1992, Heft 2

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Literatur der Volkskunde

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geben zum Gruß den Hut ziehen 1. April die Braut geht links!- dereheliche Ringtausch- auf jemand mit dem Finger zeigen- mit dem linkenFuß aufstehen aufs Holz klopfen- das Hufeisen als Glücksbringer- dieschwarze Katze- die Pflanzenmagie" des vierblättrigen Kleeblattes- Nie-sen und Gähnen- bzw. zu den Festen: Ostern, Neujahrsglaube, den Spiegelzerbrechen, das Spucken, die mystischen Ursprünge des Theaters, derTotenglaube. Lindner beschließt seine Umschau, in der recht apodiktischkurze Erklärungen für all diese Dinge angeführt sind, mit dem Hinweis aufdie Nöte des, desorientierten Menschen" von heute und die daraus folgen-den Abwege, also das moderne Sektierertum, die Satanisten und ähnliche,, neurotische Reaktionen der Jetztzeit. Und auch er meint: Nichtsdesto-weniger dürfen die derzeitigen Entwicklungen der abergläubischen Bewe-gungen weder übersehen noch unterschätzt werden( S. 123). Also: Auf-klärung und Aberglaube". So aber formulierte es Hermann Bausinger schonim Jahre 1961 in seiner Tübinger Antrittsvorlesung. Die dürftigen paarZeilen mit, weiterführender Literatur zu diesem riesigen Thema bei DolfLindner sagen schließlich alles, auch wenn wir natürlich wissen, daß dieSuperstition gewiß nicht allein Gegenstand volkskundlicher Forschung seinkann.

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Was nun letztere dazu zu sagen hätte, läßt sich vielleicht am bestenanhand einer ebenfalls populärwissenschaftlichen Umsetzung durch denbekannten schwedischen Forscher Carl- Herman Tillhagen( Stockholm) mitdessen vorzitiertem Buch vom Alltags- Aberglauben demonstrieren. Lei-der ist dieses bisher- soweit ich sehe noch nicht ins Deutsche übersetztworden. Aber Tillhagen erweist sich auch hier wieder als hervorragenderKenner der Materie, bringt seine Beispiele nicht nur aus seiner skandinavi-schen Heimat, sondern aus ganz Europa und ist bestimmt von gediegenerVerantwortung seinen Lesern gegenüber. In 16 Kapiteln hat er hier ausseinen Forschungen Beispiele zusammengestellt, in denen auch die ,, Schlag-worte" Lindners behandelt sind. Wer also darüber näher beraten sein will,sollte nach diesem Buch greifen, das allgemein und gut verständlich gehal-ten ist und nicht nur Nachweise zu den Angaben bringt, sondern auch einumfassendes Verzeichnis einschlägiger Fachliteratur besitzt. Übrigens ver-weist auch Carl- Herman Tillhagen auf die besondere Bedeutung all dieserVorstellungen des sog. Aberglaubens". In seiner lesenswerten Einleitunghebt er hervor, daß alle diese Elemente superstitioser Vorstellungen desVolksglaubens wesentliche kulturhistorische Quellen für uns sind, mensch-liche Dokumente, deren Aussage eindringlicher sein kann als feinste Perga-menturkunden in Archiven oder die verwitterten Steinmauern der Archäo-logen. In Magie und populärem Heilwissen, der sog. Volksmedizin, diebeide einen ganz wesentlichen Teil des Geisteslebens einfacher Menschenausmachen, wirkten jene weithin regulierend und normgebend. Und in derMenschheit sei alles das sowohl in der historischen Tiefe wie in der geogra-