Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVI/ 95

Dolf LINDNER, Aberglaube( Reihe: kurz& bündig, hg. von Wolf In derMaur). Wien, hpt- Verlagsgesellschaft, 1990. 124 Seiten.

Carl- Herman TILLHAGEN, Vardags- skrock. Stockholm, BokförlagetPrisma, 1982. 251 Seiten, illustriert.

Okkultismus und Aberglaube sind unseren modernen Gesellschaftenauch im Zeitalter von Technik und Ratio keineswegs abhanden gekommen.Schon die beiden vorliegenden Buchtitel deuten das an. Und doch sind eszwei sehr ungleiche Geschwister, die es jedem leicht machen wollen, derSache an sich näher zu kommen.

Dabei können wir freilich nicht umhin, noch eine dritte und führendeStimme aus der Volkskunde anzuführen, Dieter Harmening, der dazu u.a.betont: Dieser Prozeß der Entstehung superstitioser Formen und Faktenkann nicht nur wahlweise und je nach Standort als Prozeß verstümmelnderFragmentierung der historischen Gestalt oder als Prozeß der Umformungbetrachtet werden. Als Prozeß ist er nämlich beides, Analyse und Synthese,damit aber auch Leistung( und Wirklichkeit): Das, was zuerst nur undmateriell als Verstümmeltes und Entleertes an der Superstition erscheint,gewinnt als Rezipiertes eine neue, gültige Form von anthropologischerGesetzlichkeit und somit von universeller Bedeutung; ist Ausdruck einereigenen Weise des Welthabens geworden..

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Bei allem Verständnis für kurz& bündig als Programm, macht es sichDolf Lindner doch wohl etwas zu einfach, wenn er vorweg erklärt: Irgend-wann einmal war alles, was wir heute als Aberglaube bezeichnen, Glaube.Und vieles hat sich bis heute erhalten, aber die ursprünglichen Bedeutungensind uns kaum mehr bewußt." Nach seinem Versuch einer Definition seien,, die verschiedenen Deutungsversuche auf die Standpunkte zu relativieren,von denen aus sie gegeben werden( S. 13). So mustert er denn die ,, Wis-sensträger aus der Alten Welt bis in unsere Zeit herauf durch. Er beginntbeim jüdischen Glauben und den altägyptischen Totenkulten und fährt fortüber Pflanzenzauber, die Mythologeme der Nymphen, Riesen und Zwerge,Amulett und Talisman, die Astrologie und die synkretistische Alchemie biszu Kabbala und Zahlenmagie. Dann wird er historisch, bespricht Magie undAberglauben des Mittelalters, kritisiert diesen vornehmlich an den Aus-wüchsen des Hexenwahns" und gelangt so an das Ende von heute:,, Aberglaube und magische Einflüsse- heute( S. 111 123).

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Hier freilich wäre spätestens der Punkt, wo man auch wohl die Volkskun-de befragen müßte, denn ihr ist ja zumindest das Verdienst anzurechnen, jeund je dafür das meiste und schlagendste Material gesammelt und beschrie-ben zu haben. Dolf Lindner verbleibt, wie es scheint ostentativ, ohne sie.Dennoch sind es allgemeinste und alltägliche Dinge, die er da als einigeder wichtigsten, Schlagworte"" aufzählt, nämlich im Alltag: Das Hände