1992, Heft 2
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Chronik der Volkskunde
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liche und dies sei in Anbetracht der derzeitigen schwierigen Verhältnissebesonders betont- hervorragend organisierte Programm, das meinen Wün-schen entsprechend zusammengestellt worden war, ab. Mein Hauptinteressegalt natürlich den„ eigentlichen“ Volkskundemuseen, dem„ Gesamtrussi-schen Museum für dekorative angewandte Kunst“ sowie dem„ Museum derVölker der UdSSR".
Ersteres ist eine verhältnismäßig junge Institution( 1981 gegründet);dennoch besitzt es bereits ca. 40.000 Objekte aus ganz Rußland. Der Stabder wissenschaftlichen Mitarbeiter soll rund 60- 70(!) betragen; sie sindin 6 Abteilungen tätig. Diese Zahl ergibt sich aus den Rohmaterialien, auswelchen die Objekte hauptsächlich bestehen: Textilien, Holz, Keramik,Glas, Leder, Metall. Die Gegenstände werden hauptsächlich im Zuge vonFeldforschungen gesammelt; es werden aber auch immer wieder welche vonden Besitzern direkt dem Museum angeboten und dann angekauft. Die dochetwas komplizierte Ankaufsprozedur hat Margot Schindler 1985 miterlebtund genau beschrieben. Erworben werden nur Objekte, die der Formund/ oder des Dekors wegen zur„ Volkskunst“ gezählt werden. Sie sollennicht nur als Zeugnisse der Vergangenheit erhalten werden, sondern auchals Vorbilder und Anregung für zeitgenössisches Schaffen dienen; ähnlicheÜberlegungen führten ja etwa in Österreich vor der Jahrhundertwende zurGründung des„, Museums für angewandte Kunst" oder auch des Innsbrucker,, Museums für Volkskunst“.
Diese Zielsetzung ist natürlich auch in den Schauräumen erkennbar: Dieständige Schausammlung bietet die Vorbilder, die Sonderausstellungen neh-men darauf Bezug. So waren im November drei temporäre Schauen demThema Textilkunst gewidmet: historische Textilkunst( Stickereien, Spitzen)und zwei Ausstellungen zeitgenössischer Designer/ innen, die entweder inder Technik oder/ und in den Motiven auf russische Traditionen zurückgrei-fen.
Die ständige Schausammlung zeigt in sieben Räumen: Trachten undKopfbedeckungen; Spinnrocken, Möbel, Druckmodel, Bastarbeiten, Schöp-fer, Löffel, Hausrat aus Metall, Bauteile; zeitgenössische Arbeiten: Holz-schnitzereien, Puppen, Geschirr; Fabrikkeramik nach traditionellen Vorbil-dern, vor allem aus Gschel. Die Wertschätzung, der sich die Lackmalereierfreut, läßt sich daran ermessen, daß für sie allein drei Räume zur Verfü-gung stehen; jeweils einer für Arbeiten auf Metall, auf Karton bzw. Papp-maché sowie für die Arbeiten besonders geschätzter Meister und Herstel-lungszentren.
Beschränkt sich die Präsentation in diesem Museum auf die Darbietungvon Objekten, die ausschließlich nach ästhetischen Kriterien, ohne größerenZusammenhang ihre Funktion bzw. ihre Bedeutung im kulturellen Kontextbetreffend, ausgewählt wurden, versucht das„ Museum der Völker derUdSSR" in St. Petersburg( damals noch Leningrad) doch, die Beziehungen