Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
Einzelbild herunterladen
 
  

222

Chronik der Volkskunde

ÖZV XLVI/ 95

lungen veranschaulichen die Fischerei, die Waldbenutzung, die Viehzuchtund Wiesenbewirtschaftung, den Ackerbau, den Weinbau, die Gärtnerei.Das zielbewußte Anpassen an die Umstände veranschaulichen die Arbeits-kleider, die Geräte der Mahlzeiten, welche außerhalb des Hauses eingenom-men wurden.

An diesen Teil wurde die Lebensmittelverarbeitung, die eine große Rollein der Selbstversorgungswirtschaft spielt, wie auch der Verbrauch ange-schlossen. Die einstige Praxis, die durch Gegenstände veranschaulicht wird,wird hier wie auch anderswo in der Ausstellung von Bildern illustriert, dieaus dem Photoarchiv des Museums ausgesucht wurden.

Dem Handwerk wurden zwei Säle gewidmet. Vollständigkeit konnte auchhier nicht angestrebt werden, bloß einige bedeutendere Zweige der Selbst-versorgung, des Hausgewerbes und des Zunftgewerbes konnten mit Hilfevon Arbeitsgeräten, Produkten, Zunftzeichen und Aushängeschildern darge-stellt werden. Organisch schließt sich alledem der nächste Saal, der Saal derJahrmärkte, an. Den Mittelpunkt nimmt hier die lebensnahe Vergegenwär-tigung ein: von einem Heimarbeiter- Schnitzer verfertigte landwirtschaftli-che Gerätestiele und Kochgeschirr, das Angebot eines Markthafners undZelte eines Blaufärbers und auch eines Hutmachers. Auf die kulturvermit-telnde und geschmacksformierende Rolle der Märkte verweisen Volksbü-cher und Marktgeschenke, Lebkuchen, Spielzeuge- unter diesen zwei, Rei-terrössel" aus der Viechtau- und weiterhin auch Puppentheaterfiguren.

Die zwei nächsten Säle zeigen die Wohnverhältnisse aus zwei RegionenTransdanubiens verschiedener wirtschaftlicher Gegebenheiten. In einemSaal wird eine altertümliche Rauchstube mittelalterlichen Charakters ausder Mitte des 19. Jahrhunderts rekonstruiert, während im anderen einePrunkküche und schöne Stube aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundertsnachgebildet wurde. Letztere gehörte einer Familie, die durch Entwässe-rungsmaßnahmen im südlichen Donaugebiet zu Vermögen kam. Immerhinsind der Kachelofen, die blumenbemalten Möbel, die hausgewebten Stoffeebenso wie das verzierte Irdengeschirr der Einrichtung gleichfalls Fortsetzervon Traditionen, die von Städten und Marktflecken voriger Jahrhunderteentwickelt wurden.

-

Im nächsten Saal sind Prestigegegenstände zu sehen, namentlich diejeni-gen, die als Volkskunst gewertet werden, wie bemalte Möbeldie ge-schnitzten wurden schon vorher ausgestellt- gestickte und gewebte Beklei-dungsstücke und Wohnungstextilien, Prunkgeschirr und Hirtenschnitzereien.

Drei Säle veranschaulichen charakteristische Gegenstände des mensch-lichen Lebenswegs: die Kinderjahre- unter den Spielsachen sind kleineArbeitsgeräte, die zur Arbeitserziehung dienten-, danach Gegenstände, diean die Jugendjahre, die Heirat, an das Alter und endlich an den Tod und dieBestattung anknüpfen. Die Bedeutung der Hochzeit für die Gemeinschaftwird durch den wahrheitsgetreu zur Schau gestellten Brauch in der Kalota-