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Chronik der Volkskunde
ÖZV XLVI/ 95
In diesem Zusammenhang betrachtet, kann ein Gegenstand durch seinenErzeuger und durch seinen Verbraucher, über den jeweiligen volkskulturel-len und volkskünstlerischen Wert hinausgehend, zum ewigen Träger deskulturellen und kulturhistorischen Andenkens der Menschheit werden.
Unsere Ausstellung kann nicht und will auch nicht eine vollständigeDarstellung der sogenannten Hirtenkunst bieten. Allerdings will sie durchSchilderung und Analyse dieser ästhetischen Gegenstände unter neuenGesichtspunkten einen erhöhten Kunstgenuß und ein besseres Verständnisermöglichen.
( Ausstellung im Ethnographischen Museum Schloß Kittsee, A- 2421 Kitt-see/ Burgenland, vom 13. März bis 30. August 1992, täglich 10 bis 17 Uhr.-Katalog von Imre Gráfik, Gábor Pap, László Szelesty. Eisenstadt 1991. 105Seiten, Abb. teilweise farbig, Preis öS 80,-.- Zu beziehen vom Ethnogra-phischen Museum Schloß Kittsee, A- 2421 Kittsee, oder ÖsterreichischenMuseum für Volkskunde, Laudongasse 15- 19, A- 1080 Wien.)
Imre Gráfik
,, Traditionelle Kultur des ungarischen Volkes"Bericht über die neue ständige Ausstellung desEthnographischen Museums in Budapest
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Das Budapester Ethnographische Museum hat am 15. Juni 1991 seineneue ständige Ausstellung eröffnet. Dies war schon seit langem fällig, daschon fast ein halbes Jahrhundert vergangen ist, seit 1943.wegen derBedrohungen des Zweiten Weltkriegs- die ständige Ausstellung, die noch1927 errichtet worden war, abgetragen werden mußte. Seither bestandinfolge materieller und anderer Gründe bloß dazu die Möglichkeit, 1980eine permanente und bis heute bestehende Ausstellung zu veranstalten, dieaus dem Material zusammengestellt wurde, welches das Museum von auß-ereuropäischen Völkern besitzt.
Auf die Veranstaltung von Ausstellungen konnte aber die Institutionsogar unter beschränkten Möglichkeiten nicht verzichten. Unter ihnen gabes mehrere, die vollständige Objektgruppen umfaßten; als erste die Schauder ungarischen Volkstrachten im Jahre 1955, dann unter anderem dieAusstellungen der Keramik[ 1964], der Möbel[ 1976], der Hirtenkunst[ 1977], der Landwirtschaft[ 1983]. Es bot sich auch Gelegenheit, Über-sichtsschauen von speziellen Themen zu gestalten, wie die Geschichte derVolkskunst in Ungarn[ 1971], oder das einstige Leben der Dorfkinder[ 1979]. Alle diese Ausstellungen gaben den Forschern des Museums Gele-genheit zur gründlichen Untersuchung des in den Depots gelagerten Mate-