Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
Seite
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Chronik der Volkskunde

ÖZV XLVI/ 95

Volkskunst hinter Gittern- Kismartonban/ Sopronban kiszültSonderausstellung im Ethnographischen Museum

Schloß Kittsee von März bis August 1992

Das Savaria Múzeum in Szombathely und das Burgenländische Landes-museum in Eisenstadt sind zusammen mit dem Ethnographischen MuseumSchloß Kittsee die gemeinsamen Veranstalter der Sonderausstellung, dieunter dem Titel Volkskunst hinter Gittern Objekte aus Sammlungen vonMuseen des pannonischen" Teils Ungarns, aber auch aus dem Ethnogra-phischen Museum in Budapest zeigt und sich mit dem speziellen Teil derungarischen Volkskunst: der Hirtenkunst beschäftigt. Nach der Präsentationin Szombathely und Eisenstadt ist die Ausstellung von März bis August 1992im Ethnographischen Museum Schloß Kittsee zugänglich. Sie beabsichtigt,innerhalb dieses Gebietes- dem nord- westlichen Transdanubien- Spitzen-leistungen bestimmten Personen zuzuschreiben und die Entstehungszeit derErzeugnisse zu bestimmen. Wir meinen, daß wir durch diese Untersuchun-gen, vor allem aber durch die Verwendung archivalischer Quellen, eineBeziehung zwischen den Gegenständen und ihrem Hersteller, zum Charak-ter und zur Biographie der Schnitzer, schaffen und dadurch einige Vorstel-lungen über die Hirtenkunst korrigieren können. Diese waren am Ende desvorigen Jahrhunderts entstanden und wurden seit damals mit mehr oderweniger Beharrlichkeit wiederholt.

Allerdings hat sich, teilweise durch neue, bisher unbekannte archivali-sche Quellen, teils aufgrund von Stil- und Motivanalysen der Ornamente aufder Oberfläche der Gegenstände, die Zahl der Objekte, die einzelnen Perso-nen- ihren Schöpfern zugeschrieben werden können, vermehrt. VomEnde des 18. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ermöglicht eine Reihe vondatierten Gegenständen die Erstellung einer Chronologie; die Texte derAufschriften informieren uns über die Hersteller und die Herstellungsorte.Die verschiedensten Gebrauchsgegenstände und Geräte, wie Mangelbretter,Rasiermesserbehälter, Spiegel, Stehspiegel, Gewürzbehälter, Langflöten,Kästchen usw., werden so zu aussagekräftigen Dokumenten über Ge-schmack und Gedankenwelt einer Person, einer kleineren Gemeinschaft undeiner Zeitperiode eines Gebietes. Sie übermitteln durch die Zeichen ihrerBildersprache eine Botschaft in die Ferne.

In Kenntnis des vorliegenden, erschlossenen Materials ist es nicht über-trieben zu sagen, daß angesichts der Vielfalt der Gegenstände, der Materia-lien, der Verzierungsverfahren, der Techniken, der Thematik und der Motivediese kleindimensionierten Schnitzereien des pannonischen Raumes diemannigfaltigsten der gesamten ungarischen Volkskunst sind und dadurcheine gleichartige Einheit im Großgebiet bilden.