1992, Heft I
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Literatur der Volkskunde
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und„, decken“,„ Decker“ sowie auf„ Tegel II"= Tiegel hingewiesen. Derumfangreiche Artikel„ Tę, Tê, Te“ von I. Geyer verzeichnet allein unter denZusammensetzungen mit dem Wort-Tee 160 verschiedene Bezeichnungenfür die verschiedensten Arten dieses Genuß- und Heilmittels( Sp. 1182-1201). Seltene oder heute wenig oder kaum noch bekannte Ausdrückewerden mehrfach angeführt und nach ihrer Herkunft, Verbreitung und Be-deutung erklärt:„ Taus"- Zweier im Würfelspiel,„ Tecks"- Schusternagel,„ Tefel"Mühlzarge u.dgl. Andere wieder wie„ Taxler"= Taxilenker,„ Decka"- Dekagramm,„ Tecke“- Schulheft,„ Tecken"- Krankheitsscha-den,„ tefeln"= schwätzen,„ deften/ gedeftet" einschüchtern,„ tegern":liebkosend, würgend drücken sind typische Austriazismen(„ tegern" ist miraus Oberkärnten verstärkt als= quälen, peinigen vertraut!); und die redupli-zierende Interjektion„ deidei"- schnell, rasch ist wohl spezifisch kärntne-risch( Sp. 1307). Ältere Wörter der für Österreich typischen Verwaltungs-sprache wären„ Taxe"- Gebühr,„ Taxazión“- amtl. Festsetzung,„ Defal-zierung"= offizieller Abzug oder„, defendieren“= sich rechtfertigen. Abge-kommen ist auch das wichtige alte Verwaltungswort„ Techen( t), Techel( t),Te( ch) me" für die Menge von Eicheln oder Bucheckern bei der altertümli-chen Eichelmast der Schweine( Sp. 1214f.). Und ebenso wichtige Informa-tionen bieten dem Benützer die Artikelfolgen von„ dêchteln“ bis„ dêcht-lig( n) en" für einwässern, anfeuchten usw. sowie von„ Teckel“ bis„, Tecken"für Körpergebrechen, krankhafte Erscheinung. Schließlich wäre noch aufspezifisch regionale Lockrufe für Haustiere hinzuweisen; so„ te- te“ fürHunde oder„ teck( s)-teck( s)" für Schafe; ihre Besonderheit wird deutlich,wenn man dem aus Kärnten„ tah- tah" für Hunde bzw.„, lee- lee" für Schafegegenüberhält.
Die Benützung und eingehendere Lektüre eines solchen lexikalischenNachschlagewerkes regt also nach vielen Seiten zu Vergleichen und Über-legungen an. Und die vielfältigen etymologischen Probleme und Herkunfts-fragen in diesem Bereich der Areallinguistik spornen nicht zuletzt dasInteresse am Ganzen noch weiter an. Man ist gespannt auf die nächstenFolgen dieses großen und der Österreichischen Akademie der Wissenschaf-ten zu verdankenden Thesaurus der bairischen Dialekte Österreichs.
Oskar Moser
Marcello MELI, Alamannia runica. Rune e cultura nell'alto medioevo.Verona 1988. 277 Seiten, 2 Karten.
Unter den Runeninschriften im älteren Fuþark erfreuen sich die soge-nannten südgermanischen Inschriften besonderer Aufmerksamkeit. Zumeinen stellen sie wichtige Sprachdenkmäler dar, zum anderen sind sie alsZeugnisse einer synkretistischen Epoche, einer Zeit des Übergangs vom