Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
Seite
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1992, Heft 1

Literatur der Volkskunde

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Heidrun ALZHEIMER, Volkskunde in Bayern. Ein bio- bibliographischesLexikon der Vorläufer, Förderer und einstigen Fachvertreter(= Veröffentli-chungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte 50; zugleich Bio- bibliog-raphisches Lexikon der Volkskunde, Vorarbeiten- Folge 4). Würzburg1991. 362 Seiten.

Im Rahmen des breit angelegten, als Kompendium des gesamten deutsch-sprachigen Fachbereiches projektierten Bio- bibliographischen Lexikonsder Volkskunde" sind bereits drei Veröffentlichungen mit den wichtigstenDaten der derzeit aktiven Fachvertreter Bayerns, Österreichs und der ehe-maligen DDR erschienen.² Mit dem hier angezeigten 4., bescheiden alsVorarbeit bezeichneten Band legt Heidrun Alzheimer nunmehr den erstenhistorisch ausgerichteten Beitrag und zugleich einen Versuch vor, dieGeschichte der Volkskunde von ihren Persönlichkeiten her aufzurollen"( S. 7). Gestützt auf z.T. schwer zugängliche, in ihrer disparaten Provenienzund ihrem häufig subjektiv gefärbten Gehalt zu penibler quellenkritischerKontrolle zwingende Belege wie Laudationes und Nekrologe, Lebensläufein Originaldissertationen, Personalakte diverser Universitätsarchive, Wid-mungen, Danksagungen, Vor- und Nachworte einschlägiger Monographienoder in Heimatblättchen, Zeitungsbeilagen und Fachzeitschriften der Nach-bardisziplinen verstreuten Angaben wurde mit 219 Personalartikeln einregional begrenztes Mosaik der Geschichte der Volkskunde( S. 317) zu-sammengesetzt- eine Recherchetätigkeit, über deren Mühsal und zuweilen,, vorprogrammierten Leerlauf" die Autorin an anderer Stelle anschaulichberichtet hat.³

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So wurde auch die ursprünglich über 3000 Namen umfassende Liste derfür die Aufnahme in ein bayrisches historisch- biographisches Lexikon inFrage kommenden Persönlichkeiten nicht nur aus redaktionellen Gründenauf ihren vorliegenden Umfang gekürzt, sondern auch, weil in manchenFällen, die Quellenlage so dürftig ist, daß nur gezielte Vorort- Forschungengesicherte Auskünfte erbringen könnten( S. 315). Doch auch untersolcherart quantitativ reduzierten Umständen bleibt eine beachtliche Spann-weite des Gebotenen gewahrt: Historisch wird die Brücke von Vertretern derDisziplin in statu nascendi, also während der allmählichen Institutionalisie-rung einer Volkskunde als Wissenschaft, zu jüngst verstorbenen Fachgelehr-ten geschlagen; und im Hinblick auf das Kriterium der Fachzugehörigkeit"bzw. der individuellen Bedeutung in der Disziplin geht es der Autorin ,, nichtum die Darstellung einzelner großer Namen, sondern, im Sinne ihresLehrers Wolfgang Brückner, um die Kenntnis des breiten Feldes der vielenkleinen Biographien( S. 313f). So begegnen nicht nur Exponenten derVolkskundeprominenz- von Riehl über Spamer bis Dünninger und Moser-oder Berühmtheiten aus Nachbardisziplinen von die Fachgrenzen über-schreitendem Ruf wie Virchow, Kranzmayer, Lexer oder Schmeller, sondern