Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVI/ 95

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Unkenntnis der betreffenden Mundart. Sonst wurde versucht, den ursprüng-lichen landschaftlichen Prägungen und der mündlichen Erzählüberlieferungnach Möglichkeit nahe zu bleiben und den Texten bei der Übertragung nichtzuviel Gewalt anzutun. Wie der Herausgeber ja richtig betont, wirddeutlich, daß die Märchen nicht nur Wunschdichtung sind, die von einerbesseren Welt träumen, sondern auch ein Spiegel der realen Umwelt derjeweiligen Erzähler( S. 343). Für den Leser werden sie nicht zuletzt da-durch interessant und reizvoll, wenn auch Lesemärchen niemals das pak-kende Erlebnis eines aktiven Erzählers zu ersetzen vermögen.

Nicht unerwähnt sollte bleiben, worauf auch der Herausgeber hinweist,daß der vorliegende Auswahlband in den Märchen der Weltliteratur" be-reits die dritte Ausgabe für Österreich darstellt und daß Elfriede Moser- Rathauch in ihrer Neuen Folge der Deutschen Volksmärchen"( MdW 1966¹) eingutes Dutzend Märchen nach Neuaufzeichnungen aus Österreich veröffent-licht hat. Allen bisherigen Bänden von Märchen aus Österreich liegen zumgrößeren Teil gedruckte Quellen aus älterer Zeit oder Aufzeichnungeneiniger weniger Sammler von sehr unterschiedlicher Effizienz und Einstel-lung aus der mittleren Ära der Märchenforschung um und nach 1900zugrunde. Sie demonstrieren für den heutigen Leser und Benützer, wienotwendig es wird, die bisher äußerst ungleichmäßige Aufnahme undSammlung der Märchenüberlieferungen Österreichs von Grund auf neu zuüberprüfen. Je später je mehr treten hier die Dinge auseinander, ändern sichzugleich Zugriff und Methoden und verschieben sich reziprok wohl auchdie Traditionsumstände. Aus allen diesen Voraussetzungen heraus wird dieVolkskunde auch die vorliegende dritte Sammlung von Märchen aus Öster-reich bei Eugen Diederichs sehen müssen. Vielleicht sollten aber geradefür die jüngste Phase der Märchenforschung hier und eben gerade für einensehr verstreuten und gewiß auch nicht einheitlich erfaßten Märchenstoff inden immer noch sehr ungleichmäßig vertretenen Ländern, unter denenbeispielsweise Wien und Salzburg ganz fehlen, Herausgeber und Verlegerermutigt werden, auch dafür also möglichst noch einmal Vorsorge zu treffen.Oskar Moser

Maria GREMEL, Vom Land zur Stadt. Lebenserinnerungen 1930 bis1950. Mit einem Vorwort von Michael Mitterauer(= Damit es nicht verlorengeht, Band 20). Wien- Köln- Weimar, Böhlau 1991. 105 Seiten, 8 Abb.

Im Jahr 1983 wurde der erste Band der Publikationsreihe Damit es nichtverloren geht..." veröffentlicht. Es waren die Lebenserinnerungen vonMaria Gremel, die unter dem Titel Mit neun Jahren im Dienst erschienen.Darin schildert sie ihr Leben im Stübl und am Bauernhof in der BuckligenWelt von 1900 bis 1930. Die Aufzeichnungen waren vorerst nur für ihre