1992, Heft 1
Literatur der Volkskunde
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hunderts, die Frauen im 20. Jahrhundert ab- begrüßen, dürfen wir zugleichdie Hoffnung zum Ausdruck bringen, daß Maria Kundegraber uns künftignoch Ergebnisse ihrer Forschungen über die weiteren Bereiche der Gott-scheer Volkskultur darbieten möge.
Angelos Baš
Leander PETZOLDT( Hg.), Märchen aus Österreich.( Die Märchen derWeltliteratur). München, Eugen Diederichs Verlag 1991. 360 Seiten.
Über Märchen wird viel und gerne geredet, geschehen ist dafür bei unsnicht allzuviel. Es ist daher jedenfalls zu begrüßen, daß in der neuerdingsvon Hans- Jörg Uther betreuten, angesehenen Reihe„ Märchen der Weltlite-ratur" dieser neue Auswahlband„ Märchen aus Österreich“ erschienen ist,den nunmehr Leander Petzoldt herausgegeben hat.
Der hübsche Band enthält in gemischter und durchgehender Folge 74Nummern, zumeist mit Märchen in bezeichnend bunt vermischten Motiven,darunter ,, Von einem, der auszog das Fürchten zu lernen..."( KHM 4 undAaTh 326)( Nr. 1 und 15),„ Hänsel und Gretel"( KHM 15, AaTh 327A)( Nr.4), das Blaubartmotiv( AaTh 312)( Nr. 17) oder„ Gevatter Tod( KHM 44,AaTh 332)( Nr. 18). Es sind also Zaubermärchen neben anderem wie Lügen-und Kettenmärchen, Tiergeschichten, Schwankhaftes u.ä. Manches freilichentspringt einer etwas brüchigen Wiedergabe und vielleicht auch einsinken-der Erzähltradition; im Ganzen jedoch bietet sich dem Leser ein rechtanschauliches und farbiges Bild. Die Texte sind in der gewohnten Art undForm dieser Ausgaben- Reihe aufgemacht und wurden im Anhang durch-wegs mit Anmerkungen versehen, denen der Herausgeber Hinweise auf diebisherige Märchensammlung in Österreich sowie auf die Art der Bearbei-tung des Stoffes voranstellt( S. 336 343). In den Einzelanmerkungen
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werden jeweils Quelle und Herkunft der Geschichte, eine kurze Typencha-rakteristik nach Grimm( KHM) und die Typenbezeichnung( en) nach Aarne-Thompson( AaTh) mit einem abschließenden Verzeichnis der Abkürzungenund benutzten Literatur wie gewohnt in gedrängter Kürze geboten. DieAnführung von Georg Grabers„ Sagen aus Kärnten“ nach einer Spätauflageist wohl ein Irrläufer anstatt dessen„ Sagen und Märchen aus Kärnten"( Graz1935, 1944²), die in der Ausgabe selbst allerdings auch nicht vertreten sind.Die Anführung der Zeitschrift Carinthia als Quelle wäre als„, Carinthia I" zuberichtigen( vgl. Nr. 2, 10, 53, 60), da letztere vor 1891 unzutreffend ist.
Die Märchen selbst sind hier alle ins Schriftdeutsche übertragen. Nur Nr.15, das Kärntner Märchen„ Der Bettelbub" nach einer Aufzeichnung von J.R. Bünker aus Trebesing bei Gmünd im Liesertal, hat man als„ Sprachprobe"in seiner Originalfassung am Schluß der Sammlung wiederabgedruckt.Beide Texte zeigen bei näherem Vergleich sprachliche Mängel, offenbar aus