1992, Heft 1
Literatur der Volkskunde
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für Südtirol charakteristische hohe Stubenkultur in allen ihren Besonderhei-ten bis zur künstlerischen Ausgestaltung, die Eigenart der meist gewölbtenRauchküchen und die damit zusammenhängenden Rauchabführungen, dieverschiedenen Dachaufbauten und-gerüsttypen bei Wohn- und Wirtschafts-gebäuden sowie diese selbst und vieles andere mehr. Hilfreich an diesemMaterial ist allein der Umstand, daß man möglichst konkret das Baualterjedes einzelnen Falles zu ermitteln suchte und sich so bereits Einblicke indas relativ hohe, oft bis ins Mittelalter zurückführende Alter dieser Baube-stände ergeben. Auch zu den Strukturen des Holz- und Mauerbaues liefertschon eine erste nähere Durchsicht mancherlei wertvolle Aufschlüsse, ins-besondere hinsichtlich der Eigenarten im Dachaufbau von Wohn- und Wirt-schaftsgebäuden. So bietet sich hier also gerade für eine historische undvolkskundlich orientierte Siedlungs-, Haus- und Wohnforschung eine großeFülle neuen Grundlagenmateriales an, das nunmehr in diesem Werk vomVerlag übrigens in aufopfernder und vorzüglicher Verarbeitung mit unge-wohnter Großzügigkeit dargeboten wird. Nicht nur die DenkmalpflegeSüdtirols, der ja das große Verdienst an der Sammlung, Erhaltung underschließenden Herausgabe des Gesamtmateriales sowie für dessen be-dachtsame Bearbeitung zukommt, auch die Orts- und Siedlungsgeschichte,die Wohn- und Hausforschung erhält zusammen mit aller örtlichen Topogra-phie damit einen reichen und bleibenden Fundus an neuen Quellen, den manschon verloren glaubte, sosehr dieser auch mit den dunkelsten Jahren in derGeschichte des Landes und mit unzähligen schweren Schicksalsschlägender Menschen desselben zusammenhängen mag.
Oskar Moser
Rudolf LÜCKMANN, Vennhäuser(= Beiträge zur Heimatpflege imRheinland, Band 1). Neuß, 1991. 615 Seiten, 22 Tabellen, 111 Figuren( mitEinzel- Baubeschreibungen), zahlreiche Photos, 3 Ortspläne( in separater
Tasche).
Die vorliegende hausbaukundliche Monographie über das MonschauerLand am Hohen Venn( Eifel) ist dankenswerterweise durch den RheinischenVerein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz ermöglicht und herausge-geben worden. Ihr Verfasser kommt aus der bewährten Aachener Schule derHausforschung und schließt mit seiner überaus gründlichen und umsichti-gen Untersuchung des ländlichen Hauswesens dieser linksrheinischenGrenzlandschaft an der deutsch- belgischen Staatsgrenze im Raum Mon-schau- Eupen- Malmédy an die wichtigen Vorarbeiten von Otto Klemm,Theodor Wildemann, Justinus Bendermacher und Gerhard Eitzen an. Lück-mann behandelt damit eine Hauslandschaft, die sich aus relativ bescheide-nen mittelalterlichen Wohnstallhäusern im Fachwerkbau seit dem späten 16.