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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLVI/ 95
Bedeutung des elektrischen Stroms und anderer Bereiche moderner Technikkann aber nicht hoch genug veranschlagt werden und brachte sicher auchschon vor 50 Jahren Erleichterungen in manche Bergbauernhöfe. H. Wopf-ner hatte z.B. bereits an einer Stelle ausführlich über Materialseilbahnengehandelt.
Trotz dieser Anmerkungen ist E. Hubatscheks Buch nach wie vor vonaußerordentlicher Bedeutung, und es ist der Autorin zu danken, daß es nunin erweiterter Form neu zugänglich gemacht wurde, ein Buch das anregendwirkt und zur weiteren Forschung einlädt, damit aber auch auf bestehendeDefizite in der regionalen Volkskunde Tirols aufmerksam macht.
Ingo Schneider
Helmut STAMPFER( Hg.), Bauernhöfe in Südtirol- Bestandsaufnahme1940- 1943. Bd. 1: Ritten. Bozen, Verlagsanstalt Athesia 1990. 795 Seiten,mit zahlr. Plänen, Zeichnungen und s/ w- Photos.
Nach dem sogen.„ Berliner Abkommen" von 1939 zwischen Hitler undMussolini wurde bekanntlich die Bevölkerung Südtirols vor die Alternativegestellt, sich für Italien zu entscheiden oder ausgesiedelt zu werden. Mit denEreignissen dieser sogen.„ Option" in Südtirol steht das in dem vorliegendenBand nun geschlossen veröffentlichte Dokumentationsmaterial zum histo-rischen ländlichen Baubestand auf den weiten Berghängen des Ritten hochüber der alten Handelsstadt Bozen und damit im Kernraum des LandesSüdtirol in unmittelbarem Zusammenhang. Innerhalb der einstigen„ Kultur-kommission für Südtirol“ und auch von Seiten der Optanten hatte mannämlich den Plan, die nicht verpflanzbaren Bauernhöfe möglichst vollstän-dig aufzunehmen, angeblich als Grundlage für spätere Forschungen und fürdie praktische Aufbauarbeit allenfalls in der„ neuen Heimat“. Die Hinter-gründe, Umstände und Maßnahmen dazu schildert kurz und unter Hinweisauf eine zahlreich vorhandene zeitgeschichtliche Literatur zu dieser Südti-roler Options- Frage Helmut Stampfer vom Denkmalamt in Bozen in seinemVorwort( S. 5- 7). Dort gelang es, das bei Kriegsende beschlagnahmte oderverschleppte umfassende Material halbwegs vollständig zusammenzufüh-
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Die Erhebungen und Aufnahmen der Bauernhöfe erfolgten ursprünglichdurch eine Gruppe von Südtiroler Architekten im Auftrag der Optanten( ADO„ Arbeitsgemeinschaft der Optanten für Deutschland“). Doch abSommer 1940 erfolgte deren Erweiterung durch die Abteilung für Hausfor-schung und Bauwesen des SS- Ahnenerbes aus dem Reich unter der Leitungvon Arch. Martin Rudolph- Greiffenberg und nach eigens dafür erstelltengenaueren„ Richtlinien“. Über alles das informiert nun der Herausgeber inseinem Vorwort, auch über die damit implizierten ideologischen Prämissen,