Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
Seite
100
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band XLVI/ 95, Wien 1992, 100- 122

Literatur der Volkskunde

Erika HUBATSCHEK, Bauernwerk in den Bergen. Arbeit und Leben derBergbauern in Bilddokumenten aus einem halben Jahrhundert. 4. Aufl.Innsbruck 1990. 240 Seiten, 313 Abb., 1 Karte.

Seit ihrer Dissertation galt das besondere Interesse Erika Hubatscheks derErforschung bergbäuerlicher Kultur. Bauernwerk in den Bergen erschienerstmals 1961 als Ergebnis über 20jähriger Beschäftigung mit dem Themaund wurde bald zu einem Klassiker der Bergbauernliteratur. Dies zeigt sichnicht zuletzt darin, daß die Autorin 1990 die 4., erweiterte Auflage ihresBuches vorlegen konnte, die bereits jetzt wieder vergriffen ist. E. Hubat-schek ist eine Feldforscherin, der man die Begeisterung für ihr Forschungs-feld auf jeder Buchseite anmerkt. Ihre Kenntnisse stammen nicht nur ausjahrzehntelangen Wanderungen kreuz und quer durch die Alpen, sondernvor allem auch aus eigener, wochen- und monatelanger Mitarbeit auf Berg-bauernhöfen. Zudem ist Hubatschek eine hervorragende Photographin. DasErgebnis ist eine Bild- und Textdokumentation bergbäuerlicher Lebens- undArbeitswelt von der Geschichte der Besiedlung, der Siedlungs- und Wirt-schaftsweise über die Haus- und Hofformen zur Darstellung der wichtigstenArbeitsvorgänge vom Frühjahr bis in den Winter. Das Bildmaterial, das von1933-1990 reicht, einen Schwerpunkt aber auf den 40er und 50er Jahrenhat, spannt einen Bogen von Kärnten über Salzburg und Tirol bis nachGraubünden und ins Wallis. Der Großteil stammt allerdings aus Nord-, Ost-und Südtirol. Im ersten Teil schreitet der Leser gewissermaßen vom Bergins Tal, von den einfachsten Unterständen und Heuhütten auf den Bergmäh-dern, über die Almdörfer zu den Dauersiedlungen. Hier finden auch ver-schiedenste Zu- und Nebengebäude( Ställe, Kornspeicher, Backöfen,Brechlhütten, Mühle) Berücksichtigung. Für die Industriearchäologie vonbesonderem Interesse sind zwei Aufnahmen sehr altartiger technischerAnlagen( beide aus Kärnten, S. 92/93), einer Mostpresse und einer soge-nannten Rollnuesch, d.i. eine Obstquetsche, bestehend aus einem an einerlangen hölzernen Achse geführten, schweren Steinrad, das in einem ge-krümmten Holztrog hin und her geführt wird. Viele der gerade in diesemKapitel dokumentierten Objekte sind mittlerweile verschwunden, verfallen,abgerissen oder durch Lawinen oder Murenabgänge zerstört. Das Bildma-terial hat also bereits historischen Quellenwert. Dies trifft ebenso für denGroßteil der in sehr guten Photographien festgehaltenen Zaunformen zu.Der zweite Teil des Buches gilt, wie gesagt, einer am Jahreslauf orientierten