Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
Seite
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1992, Heft 1

Chronik der Volkskunde

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Gemeinden unter der wissenschaftlichen Leitung von Univ.Prof. Dr. MariaHornung durch den Filmer Peter Schreiner( Wien) herzustellen. Bewußtwurden alle künstlichen Versuche, die Kultur der Zimbern von ihrer eigent-lichen Lebenswelt abstrahiert, museal oder durch neugeschaffenes Liedgutverklärt darzustellen, ausgeklammert. Die Kamera wandte sich dem Ort undseinem Ambiente, den alten Menschen, die noch zimbrisch sprechen, in ihrerUmwelt zu, vor dem Haus, in der Küche, mit dem Vieh, vor der Kirche. Ineinigen Einstellungen wird der Gegensatz zum modernen Alltag mit seinerTechnisierung, den Motorfahrzeugen und den Spielautomaten im Gasthofherausgearbeitet. Der Film wurde für die Berlinale ausgewählt, erhielt nebenden Fassungen mit schriftdeutschen, auch solche mit italienischen sowie mitenglischen Untertiteln. Verschiedene Aufführungen sind schon im In- undAusland erfolgt. Die Uraufführung im Entstehungsort Giazza/ Ljetzan fandam 15. Juni 1991 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt. Es warein Fest für sie, ihre Alten auf der Leinwand agierend und sprechend zuerleben. Dem Verein der Sprachinselfreunde ging und geht es darum, einDokument der ältesten noch lebendigen Mundart des deutschen Sprachrau-mes vorzulegen.

Filmimpressum: Ton: Andreas Stern, Susanne Schreiner; Dolmetsch undÜbersetzungen: Maria Gasser, Monica Pedrazza; Wissenschaftliche Bera-tung: Maria Hornung; Produktion: Peter Schreiner/ SprachinselfreundeWien 1989-91. Weitere Informationen: Sprachinselfreunde"/ Österreichi-sches Sprachinselmuseum, A- 1180 Wien, Semperstraße 29( Tel. 0222/310 19 85).

Klaus Beitl

Max Lüthi( 11. 3. 1909- 20. 6. 1991)

Isolation und Allverbundenheit, mit diesen Kategorien, die sich im Ge-gensatz einander bedingen, beschrieb Max Lüthi das Märchen. Im Alter von82 Jahren verstarb der bedeutendste Erzählforscher und Märcheninterpretdieses Jahrhunderts, äußerlich isoliert durch seine fast völlige Bewegungs-und Sprachlähmung, in einem Züricher Pflegeheim. Trotz dieser Behinde-rungen nahm er regen Anteil an allem, was um ihn herum vorging, seinenFreunden und Kollegen war er in lebendiger Aufmerksamkeit und Zunei-gung verbunden. Mit einem Finger konnte er zuletzt nur noch auf einerAlphabettafel buchstabierend Briefe beantworten, Ratschläge erteilen undseine jährlichen Rundbriefe zu Weihnachten an liebe Freunde und Verwand-te diktieren, doch das hinderte ihn nicht, Anteil zu nehmen an allem, was inder Welt um ihn herum vorging.

Max( Albert) Lüthi wurde am 11. 3. 1909 als Sohn eines( Papeterie-)Kaufmanns in Bern geboren. Sein Großvater Emanuel Lüthi war Lehrer am