Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
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Chronik der Volkskunde

ÖZV XLVI/ 95

den frühen sechziger Jahren noch mit Begeisterung eröffneten MuseoFriulano delle Arti e Tradizioni popolari" in Udine, T. Ribezzi, berichtetevom dramatischen Werdegang ihres an Beständen reichen Museums, der mitwenigen Stichworten charakterisierbar ist: keine geeigneten Räumlichkei-ten, kein Personal, kein Geld und wohl auch nur wenig Hoffnung darauf.Trotzdem entwickelt das Museum bemerkenswerte Initiativen: es hält Ta-gungen zur Museologie und zu Aspekten der Trachten- und Kleidungsfor-schung ab, es veranstaltet beeindruckende Ausstellungen zur friulanischenMöbelerzeugung und zum Wohnen in der Region.³

Die genannten strukturellen Probleme der friulanischen Volkskunde- Mu-seen, scheinen nur schwer lösbar zu sein. Aber immerhin konnte die The-matik einem breiteren Publikum vorgestellt werden. Daneben aber existie-ren auch- wie das Museum in Pordenone- bemerkenswerte Ausnahmen.Hierzu gehört vor allem ein Projekt, das von G. P. Gri vorgestellt wurde. Inder Sprachinsel Sauris ist ein Freilichtmuseum besonderer Art geplant. Eineganze Reihe charakteristischer Häuser soll dort erhalten bleiben und ineinem zentralen Gebäude werden Informationen für die Bevölkerung unddie Touristen bereitgestellt. Man darf gespannt auf die Realisierung desVorhabens 1992 warten.

Seit dem Ende der Alpes Orientales" ist mit wenigen Ausnahmen derKontakt zum nahen Friaul abgebrochen. Hier bot der Kongreẞ neue, not-wendige Anknüpfungspunkte und auch Ideen für eine zukünftige Zusam-menarbeit im gesamten Alpenraum. R. Togni hat sich bereit erklärt, derartigeInitiativen zu koordinieren. Auf diesen Aspekt wurde zudem besonders vonden ausländischen Referenten Bezug genommen. D. Frlan verwies auf dieReorganisation und die Neuaufstellung des ethnographischen Museums inZagreb. K. Beitl stellte das Projekt Eurethno'93 vor und lud die italieni-schen Volkskundler zur Mitarbeit ein. Und schließlich zeigte R. Johler amBeispiel des Österreichischen Volkskundemuseums in Wien und des TirolerVolkskunstmuseums auf, wie sehr Italien auch die österreichische Mu-seumslandschaft geprägt hatte.

Ein Resümee: Die Beiträge sollen 1992 als Atti erscheinen. Sie gebeneinen guten Überblick über die sehr unterschiedliche Situation der Volks-kunde- Museen in Friaul. Gleichzeitig aber führte die Tagung auch zu kon-kreten Schritten einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Nicht zu-letzt ist dies der Gastgeberin, der Società Filologica Friulana, zu danken,von der noch zwei weitere, kürzlich erschienene Bücher angezeigt seien. 10

Anmerkungen

1 Togni, Roberto: Primo Censimento dei Musei etno- agricoli in Italia. In: Lares,1984, S. 329- 374; Musei europei per gli anni'90. In: Annali di San Michele,34, 1990-91, S. 59- 104.

2 Jacobo Linussio. Arte e Impresa nel Settecento in Carnia. Udine 1991( 199 S.).