Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
Seite
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1992, Heft 1

Chronik der Volkskunde

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Bericht vom Convegno Internazionale der Società FilologicaFriulana über Musei Etnografici in

Udine vom 13. bis 14. Dezember 1991

Knapp vor Weihnachten lud die Provinz Friaul- Julisch Venetien, dieSocietà Filologica Friulana und die Städtischen Museen nach Udine zu einerinternational besetzten Tagung zum Thema Volkskunde- Museen". VonProf. G. P. Gri( Triest), Prof. G. Bergamini( Civici Musei von Udine), Prof.A. Ciceri( Società) und der Kustodin T. Ribezzi sympathisch und informativvorbereitet, bot der Kongreß einen bezeichnenden, auch verallgemeinerba-ren Überblick. Zwar scheinen Volkskunde- Museen im europäischen Eini-gungsprozeß dadurch ausgezeichnet zu sein, daß sie das kulturelle Erbebewahren und damit dem Schlagwort vom Europa der Regionen gerechtwerden, aber gleichzeitig leiden sie an einer finanziellen und strukturellenUnterbesetzung und darüber hinaus an einer Identitätskrise, die ein bekann-tes Ergebnis zeitigt: viele der behandelten ethnographischen Museen sindgeschlossen bzw. davon bedroht. Zwischen diesen Polen bewegte sich dennauch das dicht gedrängte Programm, das hier, angesichts von knapp dreißigReferaten, nur gerafft zusammengefaßt werden kann. Zumal der Bücher-tisch und die Tagungsmappe reichhaltig waren, wird der Bericht durch beiuns nur wenig bekannte bibliographische Angaben ergänzt.

Einen Schwerpunkt bildeten naturgemäß praktische Aufgaben der Mu-seumsarbeit, also didaktische und pädagogische Fragestellungen. In diesenBereich gehört auch die vom Direktor des trentinischen Volkskunde- Mu-seums in San Michele all'Adige, G. Kezich, vorgestellte computerunter-stützte Inventarisierung.

Daneben aber überwogen Referate zur Bestandsaufnahme, zu Problemenund zu möglichen Perspektiven der ethnographischen Museen. Ihr Verhält-nis zum Territorium und ihre mögliche kulturelle Bedeutung für die lokalenKulturen wurden ebenso thematisiert, wie vorhandene oder gewünschteZukunftsaussichten. R. Togni, ¹ Dozent für Museologie in Trient, versuchteTendenzen der ethnographischen Museen in Europa für die neunziger Jahreherauszuarbeiten. Daneben aber dominierten hausgemachte Probleme inFriaul, die in so manchem auch an die österreichische Museumspolitikerinnerten. Seit wenigen Jahren veranstaltet die Region Landesausstellun-gen"- so etwa die ausgesprochen erfolgreiche über die Langobarden oderletztes Jahr im karnischen Tolmezzo über den bedeutendsten friulanischenTextilfabrikanten des 18. Jahrhunderts, Jacobo Linussio.² Derartige Ausstel-lungen verdünnen bekanntermaßen Kulturbudgets, getroffen werden davonauch Museen. So war zwar das traditionsreiche Museo Carnico delle Artie Tradizioni Popolari: Michele Gortani" am Spektakel beteiligt, aber es harrtnun einer notwendigen Neuaufstellung.³ Auch die einzige Kustodin des in