Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
Seite
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Chronik der Volkskunde

ÖZV XLVI/ 95

gung wurde daher vereinbart, daß die internationalen Arbeitsgespräche zurgroßstädtischen Problematik fortgesetzt werden sollten. Als nächster Ta-gungsort wurde Prag ausgewählt, wo im Jahr 1993 das Thema Migrationam Beispiel kultureller und ethnischer Änderungen in der Großstadt be-handelt werden soll.

Vera Mayer

Bericht über die Tagung Privatisierung der Triebe?Sexualität in der Frühen Neuzeit" in Wien,vom 28. bis 30. November 1991

Das Institut für die Erforschung der Frühen Neuzeit und das Kulturamtder Stadt Wien veranstalteten in der Zeit vom 28. bis 30. November 1991im Wiener Rathaus und im Museum für Volkskunde eine interdisziplinäreTagung zum Thema Privatisierung der Triebe? Sexualität in der FrühenNeuzeit. Ziel der Veranstaltung war es, in diesem von der Sozialgeschichtevielbeachteten Gebiet durch eine interdisziplinäre Zugangsweise neueAspekte zu beleuchten bzw. vorliegende Theorien zu modifizieren.

Um auch die gegenwartsrelevante Dimension historischer Forschungenmiteinzubeziehen, wurde die Tagung durch eine Podiumsdiskussion imRahmen der Wiener Vorlesungen im Rathaus eingeleitet. Unter der Lei-tung von Hubert Christian Ehalt diskutierten die Psychoanalytikerin Mari-anne Springer- Kremser, der Humanethologe Irenäus Eibl- Eibesfeldt und derHistoriker Richard van Dülmen zum Thema Privatisierung der Triebe?Sexualität zwischen Freiheit und Neokonservatismus. In ihrem Einlei-tungsstatement erläuterte Frau Springer- Kremser grundlegende psychoana-lytische Zugangsweisen zur menschlichen Sexualität, Richard van Dülmenzeichnete kurz die Zivilisationstheorie von Norbert Elias nach, und IrenäusEibl- Eibesfeldt legte, ausgehend von den Leguanen auf den Galapagosin-seln, seine biologistisch- deterministische Sichtweise des Themas dar, zeigtedann die seiner Meinung nach genetisch bedingten Unterschiede im ge-schlechtsspezifischen Verhalten bei Tier und Mensch auf und ließ seinStatement schließlich in ein Plädoyer für Monogamie und die Erhaltung der europäischen Rasse" münden. Es war offensichtlich, daß solche Äußerun-gen in der anschließenden Diskussion zu heftigen Konfrontationen führenmußten; insgesamt bestätigte die Veranstaltung die Notwendigkeit, daßGeisteswissenschaftler ihre Ergebnisse in einem breiteren Rahmen präsen-tieren und durch die Darstellung historischen Wandels und kultureller Viel-falt solchen Argumenten zu begegnen wissen.

Der zweite Tag war zunächst dem Themenkomplex Sozialdisziplinie-rung" gewidmet. Karl Vocelka( Wien) zeigte in seinem Referat Überlegun-