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Chronik der Volkskunde
ÖZV XLVI/ 95
Resümee kann hier keines gezogen werden, weder im Hinblick auf dasam Rande des Hagener Kongresses immer wieder thematisierte„ Selbstver-ständnis" der Volkskunde und des Volkskundlers, noch was den eigentlichenTagungsgegenstand betrifft. Hier bleibt nur der Eindruck, daß sich der,, industrialisierte Mensch" im Spiegel des Referierten in seinen unterschied-lichsten Facetten darstellte, die alle zusammen wohl ein buntes Bild, aberkeine greifbare Kontur ergaben. Vielleicht aber ist nichts anderes zu erwar-ten von einer Wissenschaft, die sich mit ihrem bescheidenen Instrumentari-um daran macht, eine Welt, die jeder Erklärbarkeit sich entzieht, durch,, Schneisen der Plausibilität zu zerteilen", und deren Vertreter, nach einembei aller Ironie doch recht resignativ klingenden Bonmot Köstlins, nichtsweiter als die„ neuen Geschichtenerzähler“ unserer Zeit geworden sind.
Anmerkungen
1 Helmut P. Fielhauer: Industrielle Arbeitsmittel und Kultur. In: Konrad Köstlin,Hermann Bausinger( Hg.): Umgang mit Sachen. Zur Kulturgeschichte des Ding-gebrauchs. 23. Deutscher Volkskunde- Kongreß in Regensburg vom 6.- 11.Oktober 1981(= Regensburger Schriften zur Volkskunde, Band 1). Regensburg1983, S. 191 210, Zitate S. 194.
2 Ebda. Die beim hier zitierten Begriff sich einstellenden Assoziationen vonJahrmarkt und Volksfest mögen ebenfalls in der Realität zu verorten sein,selbstverständlich auf honorig- wissenschaftsbeamtlicher Ebene. Zu einer bislangausstehenden ethnographischen Beschreibung der Kongreßrituale bzw. Tagungs-bräuche bietet sich, nebenbei, als belletristischer Vorläufer an David Lodge:Schnitzeljagd. Ein satirischer Roman. Frankfurt am Main 1987.
3 In der Mitgliederversammlung der DGV kam man auch überein, den nächstenKongreẞ( 1993 in Passau) unter das Generalthema„ Gewalt in der Kultur" zustellen. Im übrigen liegt es nicht in der Kompetenz des außenstehenden Bericht-erstatters, auf die Beratungen und Ergebnisse der DGV- Mitgliederversammlungeinzugehen; sie werden in den nächsten DGV- Informationen, nunmehr unter derFederführung Rolf Wilhelm Brednichs, nachzulesen sein.
Herbert Nikitsch
Bericht über die Arbeitstagung
,, Toleranz und Intoleranz in den Großstädten Mitteleuropas",in Bratislava, vom 10.10.1991 bis 11.10.1991
Die tschechoslowakischen Kollegen beschäftigen sich schon seit einigenJahren systematisch mit der Erforschung städtischer Kultur. Seitens derslowakischen Volkskundler wurde zu diesem Thema 1986 in Piešťany eineTagung mit dem Schwerpunkt„ Leben und Wohnen der großstädtischenFamilie in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts" in Zusammenarbeit mitungarischen Kollegen veranstaltet, und im Jahr 1990 fand in Prešov eine