1992, Heft 1
,, Wohnkultur aus dem Computer"
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steirischen Inventaren durchgehend vorhanden zu sein scheinen- imGegensatz zu manchen anderen Gebieten, wie z.B. Franken. 16 Wennman die angegebenen Werte auch nicht absolut setzen oder als Markt-wert verstehen kann, so können sie im zeitlichen und regionalenKontext doch Hinweise auf Ausführung und/ oder Erhaltungszustandetwa eines Möbelstücks geben.
Quellenkritisch muß man anmerken, daß nicht in jedem Fall dergesamte Hausrat erfaßt wurde: Wenn keine Gütergemeinschaftherrschte, wurde beim Tod des Mannes das Gut der Frau nicht erfaßt,es gehörte aber sehr wohl zur Wohnumwelt, war also für Ausstattungund Wohnverhalten zumindest mitentscheidend.17 Gewisse Teile, wieetwa die Kleidung, wurden oft generell vernachlässigt, was beimThema Wohnen nicht so sehr ins Gewicht fällt, bei einer Beurteilungder Gesamtsituation aber doch eher schmerzlich zu vermerken ist. 18Können schon die Angaben zu den Realien nicht als komplett betrach-tet werden, so gilt dies noch stärker für die Zahl der im Haushaltlebenden Personen. Zwar werden die Erben meist mit Namen genanntund teilweise finden sich Angaben über das Alter, eine Verheiratungbzw. eine andere Wohnadresse, jedoch bleibt die Zahl der im HausLebenden unbestimmt: weder werden Geschwister des Erblassersoder seiner nachgelassenen Witwe noch Dienstboten erwähnt, da sieja nicht erbberechtigt waren. Angaben zu diesem Personenkreis fin-den sich höchstens bei den Schulden, wenn etwa eine Magd nochihren Lohn für geleistete Arbeit zu bekommen hat. Aber auch hiersind den Inventaren keine exakten Angaben zu entnehmen.
Diesen wenigen direkt aus dem Einzelinventar ersichtlichen Pro-blemen sollen auch noch einige Hinweise auf Probleme bei größerenMengen von Inventaren folgen, die sich sowohl bei der qualifizieren-den Interpretation, besonders aber bei einer quantifizierenden Analy-se ergeben.
Da ist zunächst einmal das Problem der Repräsentativität: Wiesehen die rechtlichen Grundlagen und vor allem ihre Umsetzung in16 Vgl. dazu Konrad Bedal: Bäuerliche und bürgerliche Wohnkultur Nordostbay-erns in Inventaren des 16. und 17. Jahrhunderts. In: Günter Wiegelmann( Hg.):Kulturelle Stadt- Land- Beziehungen in der Neuzeit(= Beiträge zur Volkskulturin Nordwestdeutschland 9). Münster i. W. 1978, S. 175- 248.
17 Hinweise auf zusätzlich vorhandene Ausstattung sind teilweise in den Heirats-briefen, die in der Auflistung der Dokumente oft inhaltlich wiedergegebenwerden, enthalten.
18 Vgl. dazu auch R.-E. Mohrmann( wie Anm. 6), bes. S. 11- 17.