1992, Heft 1
Geschichten über AIDS
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ben, von einem„ regelrechten Aids- Terrorismus“ in den USA, durchden Infizierte die Öffentlichkeit auf ihre Lage, mangelndes Verständ-nis der Umwelt und soziale Ausgrenzung, aufmerksam machen wol-len.
Einige Jahre früher kursierte, wie schon erwähnt, die umgekehrteVariante dieser- ich nenne es einmal- Aids- Sage, in der eine Fraueinen Mann infiziert. In Österreich tauchte die Geschichte Ende1986/ Anfang 1987 auf, zunächst in der mündlichen Erzählkultur,dann aber auch im Fernsehen und in einer großen österreichischenMonatszeitschrift. In der abendlichen Diskussionssendung„ Club 2“im 2. Österreichischen Fernsehprogramm, einer Sendung die auch inden Nachbarstaaten gern gesehen wird, erzählte eine 20jährige Stu-dentin am 8. Jänner folgende„ wahre Begebenheit“, die sie in einemnamentlich genannten Wiener Innenstadtbeisel von einem Mann ausihrem weiteren Bekanntenkreis aufgeschnappt hatte.
Er[ der Bekannte, I. S.] habe in einer New Yorker Bar ein Mädchenkennengelernt, erzählte der. Wer wen abgschleppt habe, könne er nichtmehr sicher sagen. Die Nacht hätten sie jedenfalls in einem Stundenhotelverbracht. Sie wäre schon weg gewesen, als er am Morgen danachaufwachte. Er sei ins Badezimmer gegangen und habe am Spiegel danndie Nachricht vorgefunden, die sie ihm mit Lippenstift dort hinterlassenhätte. ,, Welcome to Aids Member- Club". Er sei verärgert, ein klein wenigbeunruhigt, aber nicht geschockt gewesen, wie nach einem bösen Scherz.Erst Wochen später habe er sich in Wien auf Anraten eines Freundes demAntikörpertest unterzogen. Mit positivem Ergebnis."
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Wenn man bedenkt, daß die Sendung„ Club 2" im Schnitt von ca.250.000 Zusehern gesehen wird, ist wohl mit einem beachtlichenMultiplikatoreffekt, einem Rücklauf in das mündliche Erzählen zurechnen. Hinzu kommt, daß, wie oben erwähnt, die Zeitschrift Wienerkurze Zeit darauf einen groß aufgemachten Artikel mit dem Titel,, Aids- Terrorismus“ mit derselben Geschichte einleitete und nocheinen weiteren Fall anführte, der sich auch in New York, diesmalallerdings in einer Diskothek, zugetragen haben soll. Das Opfer seider Sohn eines oberösterreichischen Mittelunternehmers gewesen.Beide Betroffenen wollten allerdings der Zeitschrift gegenüber dieVorfälle nicht bestätigen. Eigene Nachforschungen im erweitertenFreundeskreis und unter Studierenden im Laufe des Jahres 1990
13 Zitiert aus Wiener, Heft 82, Feber 1987, S. 26.