Jahrgang 
95 (1992) / N.S. 46
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Ingo Schneider

1992, Heft 1

tung ein Artikel, der unter der Überschrift Tiroler Ärzte warneneindringlich vor dem Sex- Tourismus und seinen Folgen" und der inübergroßen Lettern gesetzten Schlagzeile Tote Ratte brachte dasGrauen: Ich habe Aids" folgendes berichtete:

Diese grausige Geschichte ist leider nicht erfunden sondern durch Ge-währspersonen, darunter einen Tiroler Arzt, der aus verständlichen Grün-den nicht genannt sein will, belegt: Ein 19jähriges Mädchen, das imVorjahr seinen ersten, Traumurlaub auf einer griechischen Insel verlebte,lernte dort einen jungen, charmanten Griechen kennen- und lieben. BeimAbschied drückte ihr der junge Mann ein Päckchen mit einer rosa Schleifein die Hand: Mein Abschiedsgeschenk. Du darfst es aber erst öffnen,wenn du zu Hause bist", radebrechte er auf englisch. Die junge Griechen-land- Urlauberin öffnete zu Hause sofort das Paket und fiel aus demLiebeshimmel in die Hölle. Das Päckchen enthielt eine tote Ratte- unddie lapidare Mitteilung: Welcome to the Aids- Club. Mehr nicht. Zweianonyme Aids- Tests, denen sich das Mädchen sofort unterzog, warenvorerst negativ, erst der dritte, einige Wochen später durchgeführt, brach-te die niederschmetternde Gewißheit: Ihr Griechenland- Abenteuer hatdem behüteten Mädchen eine Aids- Infektion mit vermutlich lebenslan-gem Siechtum eingetragen.[...]'

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Zwischen Schlagzeile und Text ist eine große Abbildung einesexotischen Glossar ::: zum Glossareintrag exotischen Palmenstrandes montiert- das trügerisch harmlose Sze-nario tödlicher Infektion- links daneben ein kleines Photo der Inns-brucker Stadtphysika, die im Anschluß an die oben zitierte Geschichtemit einigen allgemeinen Statements zur Verbreitung von Aids in Tirolzitiert wird. Am Ende des Artikels steht die eindringliche Warnungder Ärztin und ihrer Kollegen am Beginn der Reisezeit vor, Sexfe-rien in Mittelmeerländern, in Afrika oder Ostasien, besonders inThailand. Der Aufhänger des Artikels ist aber zweifellos die Ge-schichte vom Urlaubsabenteuer mit daraus resultierender Aids- Infek-tion. Der Rest( Photos, Statement der Amtsärztin) ist Beiwerk, ganzoffensichtlich in der Absicht dazugefügt, die Seriosität der Willkom-men im Aids- Club"-Geschichte zu steigern. Dies dürfte im allgemei-nen wohl auch geglückt sein. Vor allem durch die Aussagen derAmtsärztin erhielt das Ganze noch einen moralisierenden, warnendenAnstrich.

Die Geschichte selbst ist allerdings alles andere als neu odereinzigartig. Sie tauchte in den letzten Jahren in Europa und Amerika

7 Kurier, Ausgabe Tirol vom 27.6.1989, S. 15.