Jahrgang 
96 (1993) / N.S. 47
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLVII/ 96

Jenő BARABÁS( Red.), Magyar néprajzi atlasz( Atlas der ungarischenVolkskultur). Band VII- IX. Karten 440- 634. Akademischer Verlag, Bu-dapest 1992.

Nach jahrzehntelanger Arbeit sind die Schlußbände des Atlas der Unga-.rischen Volkskultur herausgegeben worden( Band VII IX., Karten Nr.

440- 634).

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Die Karten des VII. Bandes( Nr. 440- 507) schildern die Verbreitung derHochzeits-, Weihnachts-, Neujahrs-, Faschings- und Fastenspeisen, fallwei-se auch der typischen Festspeisen verschiedener Glaubensgruppen. DieStruktur der Familie und der Verwandtschaft wird mit besonderer Aufmerk-samkeit behandelt, wie sich dies aus der Vielfalt der Themen ergibt: Erbtei-lung um 1900; Wer gab die Aussteuer des erstgeborenen Kindes um 1900?;Eigentumszeichen an der Leibwäsche der Frauen um 1900; Sitzordnung inder Kirche um 1900; Anrede der Verwandten; Taufpaten( z.B. ihre Zahl um1900); Vornamen usw.

Der VIII. Band( Karten Nr. 508- 567) enthält Auskünfte über folgendeProbleme: Wahl der Ehepartner( Exogamie und Endogamie, Geschlecht derBrautwerber, Verlobungsgeschenk des Bräutigams an die Braut um 1900:Geld, Ring, Fußbekleidung, Kopfbekleidung, Tuch, Messer, Süßigkeitusw.); Brautausstattung und Hochzeit( Formen des Transports der Brautaus-stattung; falsche Bräute im Hochzeitsbrauch; symbolische und magischeHandlungen während der Hochzeit: Fruchtbarkeits- und Geburtszauberusw.); Weihnachtsgrün und Weihnachtsbaum; Krippenspiel; Faschingsbräu-che; Hirtenfeste( deren Bräuche mit der Aufarbeitung von 76 Einzelmotivenauf 5 Karten dargestellt werden).

Im IX. Band( Karten Nr. 568- 634) werden folgende folkloristischeErscheinungen dargestellt: Orakel des blühenden Zweiges; Jahresfeuer;Verbotene Tage( Brotbacken, Wäschewaschen); Tod und Begräbnis; Beer-digung der Mädchen( z.B. Elemente der Hochzeit bei solchem Begräbnis);Grabhölzer; Totenkult; Magie( z.B. Bauopfer, Speise und Trank für dasFeuer); magische Heilung; Person mit übermenschlichen Fähigkeiten; Haus-schlange; Luzientag; Kosmogonie( z.B. Tier, das die Erde hält; was wird imMond gesehen?).

Zwecks Orientierung über den ausführlicheren Inhalt der Karten seienhier zwei Beispiele angeführt. Die Karte Nr. 599 zeigt uns, daß der Brauch,in den Hausunterbau Geld zu legen, vom Gebiet westlich des Burgenlandesbis Siebenbürgen allgemein verbreitet ist; in Siebenbürgen wird allerdingsins Fundament auch irgendein Tier eingebaut. Im ungarischen Sprachgebietwird in die Lehmbeschmierung nur selten ein tierisches Produkt( z.B. Ei)beigemengt, und auch dann nur zusammen mit geringem Geld. In Sieben-bürgen und in der Moldau besteht der Brauch, ins Gebäude einen Stab